Integration und Desintegration
10. September 2007 von kp
via taz
Kinder, Küche, Kopftuch
Gut ausgebildete Musliminnen, die Kopftuch tragen, sind bei der Jobsuche oft chancenlos. Viele Arbeitgeber haben Vorurteile, Jobcenter drohen schon mal mit Leistungskürzungen. So werden die Frauen an den Herd getrieben, kritisieren Expertinnen
Nicht nur Jobsuchende haben es schwer, sondern gerade auch türkische Aufsteiger.
Zu diesem Ergebnis kommt die Studie des Frankfurter Instituts für Sozialforschung mit dem Titel “Negative Klassifikationen - Ideologien der Ungleichwertigkeit in den symbolischen Ordnungen gegenwärtiger Sozialgruppen“. Demnach
fällt auf, dass türkische Aufsteiger besonders häufig Ziel stigmatisierender Zuschreibungen sind. Dies lässt sich mit der Existenz eines »ethnischen Verwandtschaftsglaubens« erklären, der eine symbolische Tiefendimension sozialer Ungleichheit sowie ein generatives Prinzip abwertender Kategorisierung darstellt.
Sütterly dazu auf Bundeszentrale für Politische Bildung:
Bei der Stigmatisierung des ökonomisch erfolgreichen und politisch aktiven Teils der türkischen Bevölkerung ist eine Vorstellung von entscheidender Bedeutung, die ethnische Zugehörigkeit als Verwandtschaftsverhältnis auffasst. Die deutschen Stadtteilbewohner agieren dabei auf der Grundlage der naturalistischen Vorstellung, sie seien mit anderen Mitgliedern ihrer ethnischen Gruppe “verwandt” und mit der türkischstämmigen Bevölkerung “nicht verwandt”. Es handelt sich dabei um eine symbolische Tiefendimension sozialer Ungleichheit, das heißt um ein verborgenes, den Individuen gar nicht reflexiv verfügbares Wahrnehmungsmuster. Es beruht zum einen auf der Idee einer biologischen Blutsverwandtschaft und Abstammungsgemeinschaft unter den Angehörigen der ethnischen Eigengruppe. Zum anderen geht es dabei um die Vorstellung der Verwandtschaft im Sinne eines familialen Interaktions- und Solidarsystems, das weit über den Rahmen biologischer Gemeinsamkeitsvorstellungen hinausgeht.
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