Stichwort: Tätowierung
16. September 2007 von kp
Das Wort ‘Tattoo’ wurde vom tahitischen Wort ‘Tatau’ (Zeichen, Malerei) abgeleitet, wobei “tatau” nach Peter Mesenhöller in Samoa
“ein rein männliches Konzept umreißt. Die weiblichen Zeichen auf der Haut werden nach dem Hauptmuster, einer einfachen oder doppelten Raute in den Kniekehlen, malu genannt.”
Tätowierungen, seien sie permanent oder temporär, haben in vielen Kulturen und Religionen eine kontinuierliche Geschichte und sind Teil des religiösen Lebens und fester Bestandteil von Ritualen im Zusammenhang von
- Initiationsriten und/oder
- Schutzriten oder
- Jenseitsvorstellungen
In anderen religiösen Traditionen sind Tätowierungen und insgesamt dauerhafte Veränderungen des menschlichen Körpers verboten und verpönt.
Vor allem im Islam wird sich von dieser Form des dauerhaften Körperschmucks distanziert. Nach einem überlieferten Ausspruch des Propheten Muhammad (Hadith) heißt es, dass Gott nicht nur die Tätowiererin und die Tätowierte verflucht, sondern auch diejenige, die um eine Tätowierung nachsucht. Der Grund dieser starken Ablehnung liegt - auch nach neueren Rechtsgutachten - in dem Verbot jeglicher Veränderung der Schöpfung Gottes begründet und bezieht sich auf den ganzen Körper. Nicht verboten ist jedoch z.B. das Mehndi-Painting, welches (außer während des Ramadan) anlässlich religiöser Feste und anderer Feierlichkeiten (z. B. Hochzeiten) angelegt wird.
Auch in der jüdischen Tradition findet sich das Tätowierungsverbot. Nach 3 Moses 21.5 sollen sich keine Male in den Leib geschnitten werden. Allerdings kennt man die Technik des Tätowierens auch im Judentum
Man schnitt die Haut ein und füllte den Schnitt mit Tinte oder Farbstoff. Diese Methode wird bereits in der Mischna erwähnt: „Wenn ein Mann eingestochene Schrift [auf seine Haut] schrieb [ist er schuldig] … aber nur wenn er es schreibt und einsticht mit Tinte oder Augenschminke oder irgendetwas, das ein dauerhaftes Zeichen hinterlässt.“ (Makkot 3:6).
so Dr. Johannes Wachten, stellvertretender Direktor des Jüdischen Museums in Frankfurt am Main, der in Körperbilder im Judentum weiter ausführt
Die anonyme Mischna in Makkot (3:6) stellt fest, dass jemand das Tätowierungsverbot nur dann übertritt, wenn es sich bei dem Zeichen um Schrift handelt und wenn es mit unauslöschlicher Tinte geschieht. Rabbi Simeon ben Judah im Namen von Rabbi Simeon akzeptiert diese Meinung und stellt ergänzend fest, dass man sich nur dann schuldig macht, wenn man den Namen eines Götzen tätowiert (gemäß der talmudischen Interpretation in Makkot 21a). Er interpretiert so die letzten Worte aus Levitikus 19:28: „Ich bin der Herr.“ Die Halacha stimmt mit der anonymen Mischna überein (Schulchan aruch, Jore dea 180:1). Maimonides stimmt ebenfalls damit überein, fügt aber hinzu, dass obwohl jegliches Tätowieren verboten ist, der Grund für das Verbot darin liegt, dass „es Brauch der Götzendiener war, sich [durch Tätowierung] einem Götzen zu verschreiben, um anzuzeigen, dass sie seine leibeigenen Diener und seinem Dienst gewidmet seien“ (Jad ha-chasaqa, avoda sara 12:11).
In den meisten christlichen Bekenntnissen gilt 3 Moses 21.5 als Schlüsselstelle ein generelles Tätowierungsverbot. Verwiesen wird auch auf (Lev 19,28):
„Für einen Toten dürft ihr keine Einschnitte auf eurem Körper anbringen, und ihr dürft euch kein Zeichen einritzen lassen”
und (Lev 21,5):
“Die Priester sollen sich auf ihrem Kopf keine Glatze scheren, ihren Bart nicht stutzen und an ihrem Körper keine Einschnitte machen”.
Allerdings wird in (Galater 6,17) berichtet, dass Paulus vermutlich tätowiert war:
” … denn ich trage die Zeichen Jesu an meinem Leibe”.
In der Frühzeit des Christentums war eine Tätowierung sowohl Erkennungszeichen als auch Signal. Die ersten Christen – zu lesen auf kath.ch
trugen die Initialen Christi als „X“ oder „I. N.“, einen Fisch, ein Kreuz oder ein Lamm auf der Stirn oder am Handgelenk. Auch die ägyptischen Christen, die Kopten, sind bis heute stolze Tattooträger. Wenn Kopten aus Freude an ihrem Christentum ihr tätowiertes Handgelenk in die Höhe heben, bekennen sie sich damit als Christen. Die Tattoos – meist in Kreuzform – sind an der Schlagader angebracht, dort, wo sie schlecht entfernt werden können.
Die meisten Christen benutzten Tattoos, um ihre Zugehörigkeit zu ihrem Glauben zu bekennen. Es konnte im frühen Christentum aber auch vorkommen, dass man bekennende Christen mit Zeichen versah, um sie als Ketzer oder Abtrünnige vom „rechten Glauben“ zu kennzeichnen. Man versuchte damit, die Christen zu stigmatisieren. Die Praxis der „Brandmarkung“ wurde hingegen von Christen vor allem in Gegenden aufgegriffen, in denen sie in der Minderheit waren. So wurden bis 1890 z. B. in Bosnien katholische Mädchen tätowiert, um einen Übertritt zum Islam zu verhindern.
Wenngleich der anscheinend abklingende Tätowierungsboom von den religiös-initiatorischen Inhalten ethnischer Religionen gänzlich entkleidet ist finden sich immer wieder auch religiöse Symbole als Tattoos, die durchaus absichtlich gewählt wurden. In den USA scheint derzeit jedes fünfte Tattoo ein religiöses zu sein. Bereits 1998 stellten Soziologen bei einem Treffen der Society for the Scientific Study of Religion fest
“For a small but growing subculture within evangelical Christianity, religious tattooing is becoming an increasingly legitimate expression of individuality, identity and faith,“
Unter den zehn populärsten Tätowierungen in den USA sind laut Vanishing Tattoo jedoch die Maori Symbole am beliebtesten, gefolgt von
- Sternen
- Engeln
- Christliche Kreuze
- dem mythologischen Vogel Phönix und
- Sonnensymbolen
Weiterführende Links
- Religious and Mythological Net Tattoos
- Body Art - Marks of Identity
- Body Modification Ancient and Modern
- Tattoo Symbols and Design Index
- Tattoos as evangelical chic - popularity of religious tattoo symbols with evangelical youth as expressions of their faith
- Das Kreuz am Körper - Dem religiösen Phänomen von Tattoo und Piercing auf der Spur
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- Glaube, der unter die Haut geht
- Tattoos as evangelical chic - popularity of religious tattoo symbols with evangelical youth as expressions of their faith
- Deutsch - Chinesische Übersetzungen in chinesische Schriftzeichen
- Japanese Tattoo Art
- Körperschmuck- Von Tattoos, Piercings, Brandings und Co
- Körperbilder im Judentum und weitere Artikel zum Thema