Afroamerikanische und afrokaribische Religionen - Nation of Islam
24. September 2007 von kp
Die Nation of Islam (NOI), eine afroamerikanische Neureligion in den USA, entstand zur Zeit der ‘Großen Depression’. Ihr offizielles Gründungsdatum ist der 4. Juli 1930.
Ihren Anfang nimmt die Nation of Islam, die dem Spektrum des religiösen Schwarzen Nationalismus zugerechnet werden kann, mit dem Erscheinen von Fard Muhammad in den Detroiter Schwarzen-Ghettos. Fard Muhammad, der dort als fahrender Händler auftrat, predigte einen ‘richtig’ verstandenen Islam als ‘wahre und ursprüngliche’ Religion aller afrikanisch-stämmigen Menschen. Nach seinem Verschwinden im Jahr 1934 wurde der Allah Temple of Islam, wie die NOI zu diesem Zeitpunkt noch hieß, von Elijah Muhammad übernommen. Erst Elijah Muhammad formulierte und fixierte die Glaubenslehren der NOI und kann somit als eigentlicher Gründer der Nation of Islam angesehen werden. Seit 1978 ist Louis Farrakhan religiöser und politischer Führer der NOI.
Die Glaubensvorstellungen der NOI sind durch die Ablehnung jeglicher Transzendenzvorstellungen geprägt. Gott ist Mensch und kam in der Person des Fard Muhammad zu den Afroamerikanern. Himmel und Hölle sind irdische Bedingungen. Entsprechend wird auch ‘Auferstehung’ als mentale Auferstehung begriffen, gekennzeichnet durch das Bewusstsein über die eigene göttliche Identität.
Die Heilslehren der NOI sind entlang der sogenannten ‚color line’ ausgerichtet. Heil, als irdische Bedingung, ist exklusiv und ausschließlich afrikanisch-stämmigen Menschen vorbehalten. Die Weißen wurden nach dem Geschichtsverständnis der NOI von dem Gegenspieler Mr. Yakub durch Genmanipulation erschaffen. Sie gehören, so Elijah Muhammad, einer ‚ausgebleichten Rasse’ an, die den unvermeidlichen Weltuntergang nicht überleben wird.
Heute, fast 80 Jahre nach ihrer Gründung, richtet sich die NOI jedoch auf der Erde ein und die Apokalypse wird zumindest nicht für die nahe Zukunft erwartet. Eigene Firmen, Farmen und Restaurants wurden gegründet und die NOI tritt inzwischen bei Großveranstaltungen auch mit anderen afroamerikanischen Organisationen und christlichen Kirchen zusammen auf.
Aufgrund der bedeutenden Unterschiede zu den Glaubensvorstellungen des Islam ist die NOI bis heute nicht von islamischen Welt anerkannt und wird entsprechend nicht zum ‘Haus des Islam’ gerechnet. Dies schließt jedoch keineswegs eine partielle Zusammenarbeit auf der politischen Ebene aus.
Das Presseorgan der NOI ist der ‚Final Call’, der wöchentlich als Print- und Onlineversion erscheint. Neben nationalen und internationalen Nachrichten finden sich hier zwei wichtige Kolumnen, die sich der Theologisierung der Person Farrakhans und Elijah Muhammads widmen. Diese sind ‚Farrakhan the Traveller’ von Jabril Muhammad und ‚Unveiling Number 19’ von Tynetta Muhammad, eine der Witwen Elijah Muhammads.
