Afroamerikanische und afrokaribische Religionen - Rastafari
27. September 2007 von kp
Rastafari ist eine afro-jamaikanische Religion, die in den 30er Jahren entstand. Schriftliche Grundlage von Rastafari ist die Bibel, die selektiv gelesen und gedeutet wird.
In der Verehrung der Rastas nimmt der äthiopische Kaiser Haile Selassie, der unter dem Namen Ras (Fürst) Tafari Makonnen geboren wurde, einen prominenten Platz ein. In seiner Krönung zum Kaiser von Äthiopien am 2. November 1930 sahen die ersten Rastas folgende Prophezeiung des schwarzen Nationalisten Marcus Mosiah Garveys als erfüllt an:
Schaut nach Afrika, wenn sie dort einen schwarzen König krönen, dann ist der Tag der Befreiung nahe.
Von den Rastas wird Haile Selassie als Inkarnation des lebendigen Gottes verstanden. Daran sollte auch sein Tod im Jahr 1975 nichts ändern.
Die Rastafaris sind in einzelne Gruppen organisiert, in denen jenseits kirchlicher Dogmen ein individueller Weg zur Begegnung mit Gott, Jah, gesucht wird. Die Gemeinschaft mit Jah drückt sich in der Formel I & I aus. Hierunter wird die Vereinigung des göttlichen ‘ICH’ mit dem menschlichen ‘Ich’ verstanden.
Rastafari kennt einen eigenen Festkalender. Neben Weihnachten und Neujahr sind der Geburtstag des Kaisers Haile Selassie am 23. Juli und sein Krönungstag Anlässe für feierliche Zusammenkünfte. An diesen Tagen treffen sich die einzelnen Gruppen zu gemeinsamen Gebeten, Gesängen mit Trommelbegleitung und dem rituellen Rauchen von Ganja, dem Heiligen Kraut.
Neben dem rituellen Gebrauch von Marihuana war es vor allem die Jah Music, der Reggae, der Rastafari im Westen bekannt machte. Als unbestrittener Meister des Reggae, der heiligen Musik der Rastas, gilt bis heute Bob Marley, der von einigen Rastagruppen als Inkarnation Marcus Mosiah Garveys angesehen wird.
Eine originäre Neuschöpfung der Rastas ist das Iyaric, die Sprache von Rastafari. Als Reggae in den 70er Jahren auch in Europa populär wurde stand die Entwicklung dieser Sprache noch am Anfang. Zum Verständnis des heutigen Iyaric hingegen bedarf es schon eines Lexikons.
Das Iyaric ist im wesentlichen eine Umformung der englischen Sprache. Ziel ist die Positive Vibration. Nach Rastafari erzeugen Wörter Schwingungen, die sich wiederum auf das Bewusstsein des Sprechenden auswirken:
Die Kontrolle der Zunge ist der Schlüssel zu Tod und Leben.
Wörter und Silben, die nach dem Verständnis von Rastafari, negative Schwingungen haben werden durch andere ersetzt. In dem englischen Wort library beispielsweise verbirgt sich gemäß der Rastologie das Wort lie (lügen). Dieses wird im Iyaric durch das Wort truebrary ersetzt.
Eingesetzte Strategien sind folgende:
- Umkehrungen: truebrary (engl. library), overstand (engl.
understand); - Auslassungen: bleg (engl. ble (sin) g);
- Ersetzungen: I rit (engl. Spirit), Freenana (engl. Banana) und
- Unspezifische Änderungen: Elizabitch (von: bitch = Hexe. Gemeint
ist die englische Königin)
Verwendet werden auch biblische Ausdrücke. So steht Babylon für die westlichen Industriemächte im allgemeinen und der ehemaligen Kolonialmacht England im besonderen. Hierin ist auch einer der Gründe für die Entstehung des Iyaric zu suchen. Englisch ist die Sprache der ehemaligen Sklavenherren.
Die Rastafrauen werden mit dem Titel Königin und als sister angesprochen. Jedoch sind die religiösen Versammlungen größtenteils eine Sache der Männer. So ist es Frauen verboten die Trommel zu schlagen und bei religiösen Diskussionen dürfen sie in vielen Orden allenfalls als Sekretärin auftreten. Gemäß der alttestamentarischen Reinheitsgebote gelten sie während der Menstruation als unrein. Seit Beginn der 80er Jahre setzen auch bei Rastafari Emanzipationsprozesse ein. Zu den Orden, in denen Frauen eine gleichberechtigtere Rolle spielen gehört der Twelve Tribes of Israel.