Religiöse Bauten und soziale Integration
6. Oktober 2007 von kp
via swissinfo
Der Religionswissenschaftler Martin Baumann untersucht an der Uni in Luzern (Schweiz) den Zusammenhang von religiösen Bauten und Integration. Swiss.info hat das Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Religionswissenschaft interviewt:
swissinfo: Wirken Moscheen, Tempel und andere religiöse Bauten als Grenze oder als Brücke zwischen den Einwanderern und den Einheimischen?
M.B.: Immigranten, die sich bildungsmässig oder beruflich emanzipiert haben, tendieren dazu, ihre ethnischen Kolonien wieder zu verlassen. Diese dienen oft nur als Durchgangsstation. Moscheen, Tempel oder Kirchen von Zuwanderern sind weit mehr als nur religiöse Stätten, sondern haben eine wichtige soziale Funktion.
Hier wird Integrations- und Eingliederungsarbeit geleistet. Ich sehe bei Moscheen und anderen religiösen Bauten keineswegs eine desintegrative Funktion, sondern im Gegenteil ein grosses Integrationspotential.
Befragt wurde Baumann auch zur schweizerischen Minarett-Initiative (eine Übersicht auf inforel), die bereits von dem Berner Staatsrechtsprofessor Jörg Paul Müller als “Angriff auf die Glaubensfreiheit” bezeichnet wurde.
swissinfo: Wie wirkt sich die Minarett-Initiative auf den Religionsfrieden aus?
M.B.: Die Minarett-Initiative ist selbst eine Störung des Religionsfriedens. Kurzfristig wirkt sie desaströs, auch für die Aussendarstellung der Schweiz.
Aber längerfristig betrachtet, hat dieser Konflikt einen Effekt, den die Minarett-Gegner wohl nicht beabsichtigten: Die Muslime werden jetzt als gesellschaftliche Kräfte wahrgenommen und können ihre Position darlegen. Es wird jetzt nicht mehr nur über sie gesprochen, sondern auch mit ihnen.
Anlass des Interviews war die Veröffentlichung des Buches Eine Schweiz - viele Religionen. Risiken und Chancen des Zusammenlebens (Einleitung bei Transcript Verlag - PDF).
Zum vollständigen Interview auf swissinfo.