Neuhinduistisch-religiöser Lehrer Sri Chinmoy verstorben
20. Oktober 2007 von kp
Sri Chinmoy (ausgesprochen: Schrie Tschinn-moi) wurde am 27. August 1931 in Shakpura (im heutigen Bangladesh) geboren. Er starb am 11. Oktober 2007 in Queens, NY
Biografisches
Im Alter von 11 Jahren stirbt zunächst sein Vater, dann mit 12 Jahren seine Mutter. Ab dem 13. Lebensjahr wächst Sri Chinmoy, wie er sich später nennen wird, in Auroville auf - dem Ashram von Sri Aurobindo - und lebt dort 20 Jahre lang.
Im April 1964 geht er in die USA, wo er zunächst im indischen Konsulat arbeitet; 1967 gründet er mit dem Sri Chinmoy Centre sein erstes religiöses Zentrum. Über die Anzahl der heute bestehenden Sri Chinmoy Zentren gehen die Angaben weit auseinander. Während Weltanschauungsbeauftragte, wie Thomas Gandow, von 60 Zentren ausgehen spricht die Sri Chinmoy Organisation von Zentren in über 400 Städten in 70 Ländern.
Nach Darstellung seiner Schüler war Sri Chinmoy sozusagen ein spritueller Meister der “Superlativen”.
- Er veröffentlichte über 1600 Bücher,
- malte Tausende Acrylbilder,
- Millionen von Stift- und Tuschezeichnungen (”Seelenvögel”) und
- gab mit seinen 13.000 selbstkomponierten Liedern mehr als 700 Konzerte.
Mit 54 Jahren begann Chinmoy mit Gewichtheben und soll u.a. Segelschiffe und Lastwagen gehoben haben.
Außerdem war Sri Chinmoy ein passionierter Läufer und gründete 1987 den World Harmony Run, einen Fackellauf durch sechs Kontinente. Nach Angaben der Sri Chinmoy Gemeinschaft wurde die
Fackel der Harmonie (…) von vielen bedeutenden Persönlichkeiten in der Hand gehalten, darunter Papst Johannes Paul II., Mutter Theresa, Nelson Mandela, Erzbischof Desmond Tutu, Königin Elisabeth II., der Dalai Lama, Carl Lewis, Paul und Linda McCartney, Roberta Flack, Jon Bon Jovi sowie Könige, Präsidenten und Premierminister vieler Länder. Die Fackel des World Harmony Run befand sich schon im Weltall in der Raumstation “Mir” und wurde dazu verwendet, die Jahrtausendfackeln und die Ewige Flamme des Friedens bei der 50-Jahr-Feier der Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Europa zu entzünden.
Fotos zeigen ihn unter anderem mit Mutter Theresa, Michail Gorbatschow und bei der Übergabe der Fackel an Papst Johannes Paul II.
Lehre und Regeln
In den Sri Chinmoy Zentren wird ausschließlich vegetarisch gegessen, vermieden werden Alkohol, Drogen und Nikotin. Mindestens einmal am Tag sollte ein Schüler Sri Chinmoys meditieren, empfohlen wird jedoch dreimal am Tag. Mindestens einmal am Tag sollte die Invocation gesungen werden:
Supreme, Supreme, Supreme, Supreme!
I bow to Thee, I bow.
My life Thy golden plough;
My journey’s Goal Thy soulful Dream.Supreme, Supreme, Supreme, Supreme!
I bow to Thee, I bow.Supreme, I am Thy glowing Grace.
My world, Thy Feet of Light;
My breath, Thy Vision’s kite.
Thou art one Truth, one Life, one Face.Supreme, Supreme, Supreme, Supreme!
I bow to Thee, I bow.
Weitere Empfehlungen Sri Chinmoys sind Lesen spiritueller Bücher, selbstloses Dienen, Arbeiten oder Studieren und körperliche Fitness. Im Zentrum seines spirituellen Pfades, den er nicht als (neue) Religion ansah, steht jedoch die Meditation. Sie soll den Meditierenden näher an Gott (den Supreme) bringen und die eigene Göttlichkeit erkannt werden.
Wie in anderen neo-hinduistischen Bewegungen und durchaus generell beim Einschlagen eines sprituellen oder religiösen Pfades (z.B. auch bei Eintritt in ein katholisches Kloster, Stichwort: Ordensname) üblich, gab Sri Chinmoy seinen Schülern neue (spirituelle) Namen (hier aus dem Sanskrit), denn so Sri Chinmoy
Jeder Sanskritname, den ich gebe, hat eine spirituelle Bedeutung und jeder Sucher hat die Fähigkeit, die höchste Wirklichkeit durch die spezielle Eigenschaft, die sein Name offenbart und verkörpert, zu verwirklichen und zu manifestieren. Wenn die Seele das Höchste auf der Erde verwirklichen und manifestieren will, wird es unendlich viel leichter, wenn der Sucher diese bestimmte Eigenschaft kennt. Wenn ein Schüler einen spirituellen Namen hat und auf diesen Namen meditiert, kommt diese göttliche Eigenschaft mit größter Macht zum Vorschein und zeigt ihm, wofür er hier ist und warum er in die Welt kam. Das ist der Grund, warum ich spirituelle Namen gebe.
Selbstdarstellung, zitiert nach inforel
«Sri Chinmoy lehrt einen modernen, ganzheitlichen Yoga, der viele Aspekte des menschlichen Wesens und westlichen Lebens miteinbezieht. Er versucht die Dynamik des westlichen Lebens mit der spirituellen Weisheit und Suche des Ostens auf harmonische Weise zu vereinen.
Durch regelmässige Meditation auf das Herzzentrum erfährt der Suchende auf dem „Weg des Herzens” inneren Frieden, Freude, Licht und Liebe und öffnet sich immer mehr der tiefsten Erfahrung: dem Einssein mit dem höchsten Selbst, dem Absoluten - mit Gott.
Trauerfeier und Kondolenzen
Sri Chinmoy starb am 11. Oktober 2007 in Queens an einem Herzinfarkt. Die Trauerfeier fand am 13. Oktober statt. Dort sprach unter anderem Gary Ackermann, Mitglied des Kongresses, ein langjähriger Freund Sri Chinmoys eine Trauerrede.
Neben zahlreichen Politikern (u.a. Michail Gorbatschow, Nelson Mandela, Bill Clinton) kondolierten Sportler und Musiker (z.B. Roberta Flack, eine langjährige Schülerin Chinmoys) sowie Persönlichkeiten verschiedener religiöser Traditionen, wie Pir Zia Inayat Khan, Sohn und Nachfolger des Sufi-Meisters Pir Vilayat Inayat Khan und Präsident der Sufi Order International (Auszug seiner Rede).
Erzbischof Desmond Tutu würdigte den Verstorbenen wie folgt:
“Sri Chinmoy was a great man. God is smiling to know the immense good he has accomplished and encouraged in others. In a world of suspicion, hostility and conflict, he worked tirelessly to bring the different faiths together and inspired many to emulate.”
Kritische Stimmen zu Sri Chinmoy
In der Kritik stand Sri Chinmoy und steht die Sri Chinmoy Gemeinschaft in Deutschland u.a. durch den oben bereits erwähnten Pfarrer Thomas Gandow (Pfarramt für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz). Gandow setzte sich 1997 in “Guru Chinmoy und die Sri-Chinmoy-Bewegung” mit der Bewegung auseinander.
In der Schweiz wird die Sri Chinmoy Bewegung von relinfo, einer evangelischen Informationsstelle, unter die Lupe genommen; auf einer Schweizer Webseite berichten ehemalige Mitglieder von ihren Erfahrungen.