Schule ohne Gott - christliche Schulverweigerer in die Deutschland
22. Oktober 2007 von kp
Immer mehr Eltern wollen ihre Kinder aus religiösen Gründen zu Hause unterrichten und nicht mehr auf eine öffentliche Schule schicken. Allein in Sachsen werden derzeit 22 Kinder und Jugendliche zu Hause unterrichtet. Dies teilte das Sächsische Kultusministerium auf eine Kleine Anfrage der Landtagsfraktion der Grünen mit.
Wer dabei an muslimische Eltern denkt, der irrt in diesem Fall. Bei den 22 Schulverweigerern handelt es sich um Kinder christlich-fundamentalistisch orientierter Eltern.
Bereits Anfang des Jahres fand in Sachsen eine Debatte um Lehrinhalte statt. Hier erreichten zwei christliche Familien, dass Harry Potter (wegen der dort vorkommenden Magie) vom verbindlichen Lehrplan gestrichen wurde.
Der nun öffentlich gewordene Fall der 22 christlichen Schulverweigerer hat jedoch eine andere Dimension (auch rechtlich). Wie in anderen Bundesländern wird auch Sachsen gegen die Eltern “restriktiv” vorgehen. Die freie presse berichtet:
Derzeit seien unter anderem zwölf Verfahren zum Entzug des Sorgerechts und 14 Zwangsgeldverfahren eingeleitet. Teils hätten die Eltern zuvor bereits in einem anderen Bundesland vergeblich versucht, eine Schulpflichtbefreiung zu erwirken.
Im Artikel wird auch die “Initiative deutscher Hausschulfamilien” erwähnt. Die Initiative kommt aus den USA, wo sie sich Homeschooling nennt und ist nur eine der Homeschooling-Initiativen in Deutschland die christliche Eltern unterstützen.
Die Unterrichtsmaterialien bekommt die Initiative, ebenso wie andere Home-Schooling Initiativen, unter anderem von der Philadelphia-Schule – einem freien christlichen Hausschulwerk aus Siegen mit inzwischen über 500 Schülern. Geleitet wird die staatlich nicht anerkannte Philadelphia Schule von Helmut Stücher.
Gegen Stücher wurde – berichtet Spiegel online – Anfang 2005 Strafanzeige gestellt. Manfred Müller, Landrat des Kreises Paderborn und ebenfalls mit christlich-fundamentalistischen Schulverweigerern konfrontiert, sah den Tatbestand des Hochverrats und der Volksverhetzung als gegeben an.
Stücher hatte russisch-stämmige Eltern, Mitglieder einer Baptistengemeinde beraten und im April 2005 in einem Brief an das NRW-Schulministerium u.a. geschrieben:
“Wie sie in Russland zusammen gestanden haben, treten sie auch hier im Notfall brüderlich füreinander ein. Sie haben mit ihren zigtausend Kindern das Potenzial, Deutschland über Nacht in einen totalitären Unrechtsstaat zu verwandeln”.
Stücher warf dem Staat außerdem ein
sozialistisch verändertes und entchristliches Schulsystem vor dazu “Brachialgewalt”, “frivole Sexualerziehung” und immer wieder auch angebliche Parallelen zur Nazizeit (”Wir haben tatsächlich wieder eine Verfolgungssituation wie vor 60 Jahren”).
berichtete Spiegel Online.
Positionen der Initiative deutscher Hausschulfamilien
Christlich-fundamentalistische Eltern, die ihre Kinder nicht auf staatliche Schulen schicken wollen, haben ein gemeinsames Merkmal: die wörtliche Auslegung der Bibel.
Aufgrund strenger christlich-moralischer Vorstellungen ist man nicht nur gegen den Sexualkundeunterricht, sondern auch gegen die Vermittlung der Evolutionstheorie und wünscht stattdessen die Vermittlung der biblischen Schöpfungslehre, des Kreationismus bzw. des Intelligent Design.
Der Sexualkundeunterricht, so liest man bei der “Initiative deutscher Hausschulfamilien” sei
nicht nur schamverletzend, sondern verdirbt unsere Kinder schon in frühesten Jahren und legt den Grundstein für eine totale sexuelle Promiskuität, einen hemmungslosen Hedonismus und eine Vielzahl von gescheiterten Ehen und Beziehungen bis hin zu einer rasanten Zunahme an jugendlichen Schwangerschaften und Abtreibungen. (…) Der Sünde müssen wir fliehen, das ist klare Weisung aus Gottes Wort. Es gebietet uns, daß wir uns von aller Art der Unzucht und des Bösen fern halten sollen. Wenn das nicht auch auf den staatlichen Sexualkundeunterricht zutreffen soll, auf was dann?
Man wendet sich jedoch nicht nur gegen die “schulische Zwangssexualisierung”.
Die Initiative spricht sich generell gegen die “Emanzipatorische Pädagogik” als eine “Schule ohne Gott” aus durch die Kinder dem
christlichen Glauben und Werten immer mehr entfremdet (würden) und dadurch Schaden an Seele, Geist und Charakter (nähmen).
Weiter führt man die “negative Sozialisation” ausschließlich durch Gleichaltrige an und wendet sich gegen vermeintlich “okkult esoterische Praktiken”, wie z.B. Entspannungstechniken. Diese werden als
Wiederbelebung alter heidnisch schamanistischer Praktiken
angesehen, durch die
unwissentlich anderen gefährlichen Kräften Tür und Tor.
geöffnet würde. Als Quelle und für weitergehende Informationen wird das Faith Center Hannover empfohlen, wo es zu Entspannungsverfahren (EV) heißt:
EV haben antichristlichen und okkulten Charakter. Aus christlich-biblischer Sicht ersetzen sie Gott durch das UB (Unbewusste oder Unterbewusstsein, kp); aus biblischer Sicht öffnen sie die Tür zum Reich und zu den Mächten der Finsternis, den Lügengeistern, deren visuelle Botschaften in der Regel raffinierte Lügengeschichten sind, insbesondere in Bezug auf vermeintliche traumatische Kindheitserlebnisse (angebliche Vergewaltigungen, sexueller Missbrauch, Gewalt, Lieblosigkeit).
Abgesehen hat man es beim Faith Center Hannover, geleitet von dem “Erziehungswissenschaftler und Bildungsforscher” Dr. Reinhard Franzke aber auch auf die “bekannten Psychotherapien”:
Die bekannten Psychotherapien und Psychotechniken (verstoßen) gegen den christlichen Glauben und das Wort Gottes. Aus christlich-biblischer Sicht öffnen sie die Tür zum Reich und zu den Mächten der Finsternis. Früher oder später verwandeln sie die Klienten in eine mediale Persönlichkeit, die von unsichtbaren geistigen Mächten inspiriert, geführt und verführt wird.
Auch keine Kindertagesstätten
Bei der Initiative deutscher Hausschulfamilien ist man außerdem nicht nur gegen den staatlichen Schulunterricht, sondern auch gegen Kindertagesstätten
Die herrschende politische Klasse, allen voran Ursula von der Leyen, stehen bereit um die Gesellschaft radikal zu verändern. Insbesondere die traditionelle Familie soll u.a. mittels immer früherer Kinderzwangsbetreuung zerstört werden.
Weitere Beispiele
In Bayern erlaubte man den “Zwölf Stämmen” im August 2006 nach langem Hin und Her und nachdem alle Zwangsmaßnahmen nichts bewirkten die Einrichtung einer eigenen Schule, wo die 32 Kinder jetzt nach religiösem Verständnis der urchristlichen Gemeinde unterrichtet werden, berichtete damals Spiegel online.
In Nordrhein-Westfalen gab es im Jahr 2005 nach Behördenangaben 26 Familien mit 42 Kindern, die sich aus religiösen Gründen der Schulpflicht widersetzten. Auch in Baden-Württemberg befasste man sich bereits vor Gericht mit Eltern, die einer Evangeliums-Christen-Baptisten-Gemeinde angehörten.
Weitere Informationen zum Thema “Heimschulen” gibt es auf der Informationsplattform Religion von Remid (Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst) : Heimschulen.

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