Symbol der afroamerikanischen Einheit - Kwanzaa-Feiern beginnen
26. Dezember 2007 von kp
Kwanzaa, ein afroamerikanisches Fest jüngeren Datums, wird seit 1966 jährlich vom 26.12. bis zum 1. Januar begangen. Heute feiern es über 5 Millionen Afroamerikaner, vor allem in den USA.
Entwickelt wurde Kwanzaa von Dr. Maulana Ron Karenga, einem der prominentesten Vertreter des Afrozentrismus mit dem Ziel die Einheit, Selbstbesinnung und Selbstbestimmung aller afrikanisch-stämmigen Menschen zu fördern.
Nach Karenga ist Kwanzaa kein religiöses, sondern ein kulturelles Fest. Gleichwohl enthält Kwanzaa - wie wir sehen werden - eine ausgeprägte religiöse Symbolik.
Im Zentrum des sieben-tägigen Kwanzaa-Festes stehen die folgenden sieben Prinzipien (Nguzo Saba):
- die Einheit (Umoja) aller afrikanisch-stämmigen Menschen
- die Selbstbestimmung (Kujichagulia) der Afroamerikaner und das Recht für sich selber zu sprechen
- das gemeinsame (Ujima) Lösen von Problemen
- der Aufbau einer gemeinsamen unabhängigen Wirtschaft (Ujamaa) zum Nutzen aller afrikanisch-stämmigen Menschen
- Die Bestimmung (Nia) und Wiederherstellung der einstigen (geistigen) Größe der “afrikanischen Nation”
- Die Kreativität (Kuumba) mit der alle Kräfte für die Gemeinschaft verwendet werden sollen und
- die Zuversicht (Imani) über das Verwirklichen der eigenen Ziele.
Diese sieben Prinzipien werden thematisch an den sieben Tagen des Festes aufgenommen und spiegeln sich zugleich in den folgenden sieben symbolischen Gegenständen:
- eine Strohmatte als traditionelles Element afrikanischer Kultur und Vergangenheit,
- ein siebenarmiger Kerzenhalter (Kinara) für das gemeinsame Erbe,
- sieben Kerzen (eine schwarze, drei rote und drei grüne) die für die oben genannten Prinzipien stehen,
- Kornähren als Symbol der Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit der afrikanischen Nation,
- ein Becher, der die Einheit der Afroamerikaner miteinander und den Ahnen symbolisiert
- Wasser und Öl sowie ein Korb mit Früchten
denen zwei ergänzende Symbole beigesellt werden:
- eine Flagge in den Farben schwarz, rot und grün und
- ein Poster der sieben Prinzipien

Auf der Flagge, die nach Karenga die schwarze Nation symbolisiert und in östlicher Richtung über einen Tisch gehängt wird, werden bereits am 19. Dezember die obigen sieben Symbole angeordnet.
In der Mitte des Tisches steht der siebenarmige Kerzenhalter, dessen sieben Kerzen wiederum die oben genannten sieben Prinzipien repräsentieren. Im Zentrum der Kenara steht die schwarze Kerze, links von ihr drei rote und rechts drei grüne Kerzen.
Im Laufe der sieben Tage werden sie nacheinander entzündet, wobei zunächst die schwarze Kerze in der Mitte als Symbol für die Einheit der afrikanisch-stämmigen Menschen und an den folgenden Tagen abwechselnd eine rote und grüne Kerze von innen nach außen angezündet werden.
Das feierliche Entzünden der Kerzen im Kreis der Familie wird begleitet durch Konzentration auf bzw. Meditation über das jeweilige Tagesprinzip, z.B. in Form einer Gedenkrede oder dem Rezitieren von Gedichten. Der Becher der Einheit der afrikanischen Gemeinschaft wird gefüllt mit frischem Saft und unter den Familienmitgliedern herumgereicht.
In einigen Familien werden Kwanzaa-Lieder mit Trommelbegleitung gesungen und/oder Kwanzaa-Lieder von CD gehört. Ein Beispiel für Kwanzaa-Musik sind die “Invocations for Kwanzaa” (Hinweis zum Link unten).
Höhepunkt des Kwanzaa-Festes ist der sechste Tag, der 31. Dezember: Kwanzaa Karamu.
Werden die ersten Tage vor allem innerhalb der eigenen Familie gefeiert, so kommen zu Kwanzaa Karamu die Familien in einem Gemeinschaftszentrum also zu einer großen Familie zusammen.
Der Ablauf dieses festlichen Höhepunktes, wie von Karenga empfohlen - kann hier nachgelesen werden.
Kwanzaa Karamu, der Tag an dem das persönliche Familienfest in ein Treffen aller feiernden Familien übergeht, enthält nicht nur gemeinsames Essen und Feiern als gemeinschaftsstiftende Elemente. Gegen Ende von Karamu wird ein Libationsritual (Trankopfer) durchgeführt, begleitet von folgenden Worten
For The Motherland (gemeint ist Afrika, KP) cradle of civilization.
For the ancestors and their indomitable spirit
For the elders from whom we can learn much.
For our youth who represent the promise for tomorrow.
For our people the original people.
For our struggle and in remembrance of those who have struggled on our behalf.
For Umoja the principle of unity which should guide us in all that we do.
For the creator who provides all things great and small.
In Kwanzaa wurden typische Elemente des Afrozentrismus verbunden mit Aspekten traditioneller afrikanischer Religiosität, wie zum Beispiel der Libation (Trankopfer). Eine ausgeprägte Zahlen- und Farbensymbolik spielen eine große Rolle und nicht zuletzt wurden verschiedene afrikanische Symbolsysteme, u.a. die Adinkra-Symbolik der Akan in Ghana, übernommen bzw. integriert.
Die Kenara und das Entzünden der Lichter erinnert in der Übernahme der Lichtsymbolik an das jüdische Chanukka-Fest, das im gleichen Zeitraum gefeiert wird.
Eine Parallele könnte weiter zum Brauch des Neujahrsspeisetuches “Haft Sin”, anlässlich des Nowruz-Festes bestehen. Ob der Haft-Sin Tisch mit seinen sieben Elementen Pate für den Kwanzaa-Tisch war, könnte uns aber nur Karenga selber erzählen.
Update: Kwanzaa-Video

Das 4 Minuten lange Video “History of Kwanzaa” auf History.com stellt die Aspekte von Kwanzaa vor, zeigt den Ablauf von Kwanzaa und stellt das Fest in den gesellschaftspolitischen Rahmen der USA der 60er Jahre.
Hinweis: Dem Video ist eine 17sekündige Werbefrequenz vorgeschaltet, die einen jedoch nicht abschrecken sollte. Die Abbildung zeigt die Schluss-Sequenz.
Links und Hinweise
Link zur offiziellen Kwanzaa-Webseite.
Hinweis zu “Invocations for Kwanzaa“: Die Webseite stellt drei MP3-Dateien als Beispiel für die Invocations for Kwanzaa zur Verfügung. Wem es - wie mir - nicht gelingt diese Dateien zu öffnen, möge es auf dieser Seite versuchen.
Teil 3: Rot, Schwarz und Grün - zur Farbensymbolik von Kwanzaa
Bildnachweis: (flickr / soulchristmas)
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