Rot, Schwarz und Grün - zur Farbensymbolik von Kwanzaa
29. Dezember 2007 von kp
Die Farben Rot, Schwarz und Grün sind die dominierenden Farben des afroamerikanischen Kwanzaa-Festes. Auf einer Flagge (Bendara) mit diesen Farben sollen nach den Vorgaben Karengas alle weiteren Kwanzaa-Gegenstände aufgestellt werden.

Die drei Farben Rot, Schwarz und Grün, die immer in genau dieser Reihenfolge genannt werden, haben nicht erst seit Karenga für viele Afroamerikaner der USA eine großen Symbolwert. Sie sind vielmehr die wichtigsten Symbolfarben der afroamerikanischen Geschichte der USA und ihre Bedeutung lässt sich bis in die 1920er Jahre rückverfolgen: in die Zeit Marcus Mosiah Garveys.
Marcus Mosiah Garvey ist die bedeutendste Person der afroamerikanischen Geschichte in den USA und Jamaika.
Geboren 1887 in Jamaika wird Garvey zu Beginn des 20. Jahrhunderts wichtigster Führer des Schwarzen Nationalismus und Separatismus in den USA sowie der Back-to-Africa Bewegung.
- 1914 gründet Garvey die Universal Negro Improvement Association and African Communities League (UNIA)
- 1919 die Black Star Line, eine Schifffahrtslinie zur Rückführung aller Afroamerikaner in ihr “Heimatland” Afrika und
- in den 1920er Jahren die Negro Factories Corporation, eine Wirtschaftsinitiative zur Sicherung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit der ehemaligen Sklaven.
Seine Ziele waren u.a.
- die Vereinigung aller Schwarzen in der Diaspora ein
- die Entwicklung eines eigenen, schwarzen Selbstbewusstseins und Stolzes der Afroamerikaner,
- Stolz und Rückbesinnung auf das afrikanische Erbe
- und Selbstbestimmung.
Von den einen als Verrückter und Betrüger (Garvey wird später wegen Steuerhinterziehung verurteilt) bezeichnet wird er für die anderen prägend, indem er den schwarzen Nationalismus in den 1920er Jahren zu einer Massenbewegung mit ca. 3 Millionen Anhängern macht.
Wie schon andere vor ihm wurde Garvey als schwarzer Moses angesehen, der die Afroamerikaner aus der Herrschaft des modernen Ägyptens befreien wird, eine Analogie, die zentrales Element afro-amerikanischer (Neu)Religiosität der USA ist. Dabei muss Garvey sowohl im Kontext eines messianischen schwarzen Nationalismus als auch im Kontext des Äthiopianismus des 19. Jahrhunderts gesehen werden.
Äthiopien, als einziges nie kolonialisiertes Land, wird in Verbindung mit seiner herausragenden Stellung innerhalb des Alten Testaments zum Synonym für den gesamten afrikanischen Kontinent. Der Psalm 68:32
“Princes shall come out of Egypt; Ethiopia shall soon stretch out her hands unto God”
gilt als DIE alttestamentliche Schlüsselstelle des Äthiopianismus. Im äthiopianischen Denken verlor Äthiopien seine Macht aufgrund göttlichen Willens an die Weißen. Diese, zeitlich begrenzte Phase des Machtverlusts, wird als Prüfung der ‘Schwarzen Rasse’ angesehen.
Äthiopien, als das von Gott verheißene Land, war - wenn schon nicht das reale (man wollte eigentlich nach Liberia), so doch zumindest das symbolische Ziel der von Marcus Garvey gegründeten Universal Negro Improvement Associaton (UNIA).
Auf Äthiopien wird in der Declaration of the Rights of the Negro Peoples of the World der UNIA (1920, Nr 40) explizit verwiesen. Die Deklaration enthält auch den Text einer eigenen Hymne, der Universal Ethiopian Anthem (Text von Burrel and Ford).
Nummer 39 der Erklärung legt fest
“That the colors, Red, Black and Green, be the colors of the Negro race.”
Diese drei Farben werden seitdem auch als Garvey-Farben bezeichnet. Ohne Garvey kann die afroamerikanische Geschichte der USA nicht erzählt werden.
Dies tut auch Karenga nicht:
“He (gemeint ist Marcus Mosiah Garvey, KP) gave us the colors.”
und weiter
“Black is for Black people, first, Red is for struggle, and green is for the future and the promise that comes from struggle“
wird Karenga von Aldore Collier (Ebony, Jan 1998) zitiert.
Die Flagge von Garveys UNIA - entspr. Nr. 39 ihrer Deklaration - hat die drei Farben: Rot, Schwarz und Grün.
Aber warum überhaupt eine eigene Flagge? Dazu Garvey (1920/21):
“Show me the race or the nation without a flag, and I will show you a race of people without any pride.”
Seit Garvey sind also die Farben rot, schwarz und grün die Symbolfarben der Afroamerikaner in den USA und die Flagge bekannt unter den Namen
- International African Flag,
- The African Flag,
- Pan African Flag,
- Liberation Flag,
- Black Flag,
- African American Flag,
- Afro-American Flag
und bis heute steht im Kontext von Kwanzaa
- Rot für das Blut, dass alle afrikanisch-stämmigen Menschen vereint
- Schwarz für die schwarze Nation und
- Grün für Afrika
In Kwanzaa finden wir - zumindest in der Form, wie Karenga es vorsah - die rot-grün-schwarze Flagge als Boden für alle (Ritual)Gegenstände von Kwanzaa. Auf ihr werden alle weiteren Gegenstände platziert, sie wird zuerst ausgebreitet und dient damit gleichsam als Basis. Vielleicht sogar damit symbolisch die afro-amerikanische Geschichte ausgebreitet.
Zugleich werden die Farben Rot, Schwarz und Grün und damit die “schwarze” Geschichte symbolisch in der Farbe der Kerzen aufgenommen. Auch in der Farbe der Früchte und der weiteren Gegenstände spiegelt sich dieses Symbolische Thema von Kwanzaa wider, deutlich zu sehen im offiziellen Kwanzaa-Bild.
Diese Rückbindung bleibt - zumindest bei manchen - nicht hierbei stehen. So bietet melanet die folgende Deutung an:
“Red, Black and Green are the oldest national colors known to man. They (…) go back to the Zinj Empires of ancient Africa, which existed thousands of years before Rome, Greece, France, England or America. (…) the colors (…) have been, in centuries past, and are now the emblem of true Black hope and pride, as embodied in all theories of Pan-Africanism and Black Nationalism.”
Nach Melanet, einem Kwanzaa Informationszentrum, gehört zu Kwanzaa das folgende Gelöbnis:
“We pledge allegiance to the red, black, and green, our flag, the symbol of our eternal struggle, and to the land we must obtain; one nation of black people, with one God of us all, totally united in the struggle, for black love, black freedom, and black self-determination.”
Dieses Gelöbnis, ein zentraler Kritikpunkt der Kwanzaa-Gegner wird Karenga zugeschrieben, findet sich allerdings auf seiner offiziellen Seite nicht. Es gibt Teilnehmer, die berichten, sie würden seit vielen Jahren Kwanzaa feiern und hätten dieses Gelöbnis noch nie gesprochen.
Tatsächlich scheint das Sprechen des African Pledge üblicher zu sein:
We are an Afrikan People!!
We will remember the humanity, glory and suffering of our ancestors.
We will honor the struggles of our elders.
We will strive to bring new values and new life to our people.
We will have peace and harmony among us.
We will be loving, sharing and creative.
We will work, study and listen so we may learn, learn so we may teach.
We will cultivate self reliance.
We will struggle to resurrect and unify our homeland.
We will raise many children for our nation.
We will have discipline, patience, devotion and courage.
We will live as models to provide new directions for our people.
We will be free and self-determining.
We are an Afrikan people,
and we will win,
and we will win,
and we will win!HOTEP!!
Bildnachweis: (flickr / soulchristmas)