Die sieben Bildsymbole von Kwanzaa
1. Januar 2008 von kp
Kwanzaa, entwickelt von Karenga, enthält eine Vielfalt unterschiedlicher Symbolebenen, wie Farben- und Zahlensymbolik.
Stammen die
- verwendeten Namen und Bezeichnungen der sieben Prinzipien (Nguzo Saba) laut Karenga aus dem Swahili (Teil 1 dieser Artikelserie),
- stehen die dominierenden Farben Rot, Schwarz und Grün für afroamerikanische Identität der USA (Teil2 dieser Artikelserie) und
- die dominierende Zahl Sieben durch verschiedene Kulturen hinweg für Vollkommenheit oder ist schlicht eine Übernahme jüdisch-religiöser Elemente (Teil 3 dieser Artikelserie),
so ist die “regionale Heimat” der bildlichen Kwanzaa-Symbole der afrikanische Kontinent.
Entlehnt wurden sie unter anderem aus dem Adinkra-Symbolsystem der Akan in Ghana und dem Nsibidi-System der nigerianischen Ejagham in Nigeria. Außerdem fanden ägyptische Hieroglyphen, wie das altägyptische Anch (Henkelkreuz) Einzug.
Jeder der sieben Tage von Kwanzaa steht unter einem der folgenden Prinzipien, repräsentiert durch ein bildliches Symbol und eine Kerze. An jedem Tag wird eine Kerze mehr angezündet.
Umoja

Umoja, das Prinzip des ersten Tages von Kwanzaa, bedeutet meint “Einheit”, die in Familie und Nation angestrebt und erhalten werden soll. Das Bildsymbol dieses Prinzips ist ein Knoten.
Knoten sind Symbole der Verknüpfung; sie binden, verbinden und lösen gleichermaßen. Der bekannteste und sprichwörtlich gewordene Knoten ist der “Gordische Knoten”.
Es gibt eine Vielfalt verschiedener und zum Teil sehr komplexer Knotensymbole. Karengas Wahl fiel hier auf einen Knoten, der als Salomonknoten, Salomonischer Knoten oder Comaziner Knoten bekannt ist und die Weisheit König Salomons symbolisiert.
Man findet diesen Knoten in verschiedenen Kulturen und unterschiedlichen Epochen in Ornamentik und Mosaiken. Beispiele gibt es unter anderem aus der nubischen Kunst und der italienischen Spätantike (Ravenna). Gefunden wurde dieses Symbol auch bei den nigerianischen Yoruba.
Das Symbol gehört außerdem zu dem umfangreichen Adinkra-System der Ashanti (Akan) in Ghana, wo es “Mpatapo” heißt: “Knoten der Versöhnung und Verbindung”. Er steht für Frieden und Versöhnung nach einem Streit.
Zu berücksichtigen ist, dass das Adinkra System flexibel ist und durch immer neue Symbole ergänzt wird. Wann “Mpatapo” integriert wurde kann nicht genau bestimmt werden. “The African American Registry“, die sich auf Karenga beziehen, nennen das Symbol “Dagi Knot”. (Dagi heißt in der Sprache der westafrikanischen Hausa jedoch schlicht “Knoten”)
An diesem ersten Tag von Kwanzaa wird die schwarze Kerze in der Mitte entzündet. Sie repräsentiert Umoja, die Einheit der “Schwarzen Nation” bzw. aller Menschen mit afrikanischen Wurzeln. “Black is for Black people, first”, so Karenga.
Kujichagulia
Kujichagulia (Selbstbestimmung) ist das zweite Prinzip der Nguzo Saba des Kwanzaa-Festes. Es geht hier um das Recht der Afroamerikaner für sich selber zu sprechen, sich selber zu definieren und zu benennen.
Das Bildsymbol dieses Prinzips, gezeigt auf der offiziellen Kwanzaa-Seite von Karenga, ist ein afrikanischer Stuhl, im Stil der Königsstühle (Stools) der Ashanti in Ghana.
Die ‘Stools’ sind u.a. die politischen Machtsymbole (Herrschersymbole) der Akan-Könige, aber auch der Könige der Ga (Südghana). Darüber hinaus symbolisieren sie auch die religiöse Autorität und die kontinuierliche, ununterbrochene Linie zu den Ahnen. Der Goldene Stuhl des Ashantihene (König der Ashanti) repräsentiert neben Einigkeit und Stärke die Seele der Nation.
Am zweiten Tag von Kwanzaa wird zusätzlich zur schwarzen Kerze die erste der drei roten Kerzen angezündet.
Ujima

Das Bildsymbol des dritten Prinzips (Ujima = gemeinsame / gemeinschaftliche Arbeit und Verantwortung) stammt wohl ebenfalls aus dem Adinkra-Symbolsystem. Dort heißt es “Akoma Ntoso” und steht für Verständigung und Übereinstimmung, so auch die Beschreibung von “The African American Registry“.
Zu den beiden zuerst angezündeten Kerzen wird nun die grüne Kerze angezündet.
Ujamaa

Auch das vierte Symbol (Aufbau einer gemeinsamen unabhängigen Wirtschaft (Ujamaa) zum Nutzen aller afrikanisch-stämmigen Menschen) wurde aus einem westafrikanischen Schreib- bzw. Symbolsystemen entlehnt. The African American Registry nennt es “Nsibidi Symbol”.
Zu berücksichtigen ist aber, dass das Symbolsystem oder besser Schreibsystem insgesamt Nsibidi heißt.
“Nsibidi comprises nearly a thousand symbols that can be drawn in the air (as gestures), on the ground, on skin (as tattoos), on houses and on art forms, such as masks and textiles. Though it is enjoyed as an artistic practice by the general public, deeper knowledge of the nsibidi symbols is restricted to members of men’s associations, which once controlled trade and maintained social and political order. (Quelle)
Die regionale Heimat des Nsibidi-Systems und damit des Karenga in Kwanzaa integrierten Symbols ist der Südosten Nigeria und der Südwesten Kameruns, wo es von den Ejagham und durchaus auch von Ibibio, Efik and Igbo verwendet wird.
Das spezielle Symbol, dass Karenga verwendet, findet sich unter anderem auf dieser Karte, nach der es zu den vier Symbolen gehört, die für Liebe und Einheit stehen.
An diesem vierten Festtag von Kwanzaa wird die zweite der drei roten Kerzen angezündet
Nia

Das Symbol für das fünfte Prinzip (Nia) gibt Rätsel auf.
Nia steht für Bestimmung.
“To make our collective vocation the building and developing of our community in order to restore our people to their traditional greatness.”
African American Registry ergänzt wie folgt
“This is done to regain our historical initiative and greatness as a people, and add good and beauty in the world. The hieroglyph Nefer-ancient Egyptian (picture) symbolizes beauty and good. Nia focuses on black people as heirs and custodians of a great legacy, generational responsibility, and joining together for personal and social purpose.”
Es könnte sich bei diesem Symbol um das so genannte Kugelkreuz ebenso handeln, wie um die ägyptische Hieroglyphe Nfr (Nefer) oder aber den Reichsapfel.
Zusätzlich zu den brennenden vier Kerzen wird am fünften Tag die vorletzte grüne Kerze angezündet.
Kuumba

Kuumba ist die Kreativität (Kuumba) mit der alle Kräfte für die Gemeinschaft verwendet werden sollen.
Das Symbol soll aus dem Symbolsystem der Dogon stammen, wo es ebenfalls Kreativität symbolisiere:
“This focus is deeply rooted both in social and sacred teachings of African Societies.”
schreibt “The African American Registry“. Ich kann das zur Zeit weder bestätigen noch widerlegen.
Sechs Kerzen leuchten an diesem Tag, an dem die letzte der drei roten Kerzen angezündet wird.
Imani

Das letzte Prinzip ist Imani (faith = Glauben, Vertrauen Zuversicht).
Nach Karenga
“To believe with all our heart in our people, our parents, our teachers, our leaders and the righteousness and victory of our struggle.”
Imani wird durch eines der bekanntesten Symbole der altägyptischen Kultur symbolisiert, dem Anch (Ankh) (auch Henkelkreuz oder Schleifenkreuz genannt). Es symbolisiert “die Befruchtung der Erde durch die Sonne sowie das Leben” (Herder Lexikon, Symbole)
“In religiösen Darstellungen haben oft Gottheiten den mysteriösen Gegenstand in den Händen und reichen ihn dem König, damit er den “Lebenshauch” an das Volk weitergibt.”
heißt es auf hieroglyphen.de.
Dieser Tag bildet den Abschluss des Kwanzaa-Festes. Die letzte grüne Kerze wird angezündet, so dass nun alle sieben Kerzen leuchten und der Weg durch die sieben Prinzipien abgeschlossen ist.
Fazit:
Karenga integrierte auch auf dieser Symbolebene afrikanische Symbole in das Kwanzaa-Fest. Sie stammen sowohl aus philosophischen und religiösen (Schreib)Systemen westafrikanischer und ostafrikanischer Kulturen.
“In religious traditions the world over, writing and graphic inscription are endowed with sacred attributes, for they are considered both the embodiment of the divine and a powerful means for conveying religious teachings. The capacity of writing to bring about change in people’s lives lends itself to contexts of divination, healing and other forms of spiritual mediation, in addition to prayer, devotion and states of heightened awareness.”
heißt es bei “Inscribing Meaning”.
Karenga betont jedoch, dass Kwanzaa kein religiöses Fest sei, sondern ein kulturelles.
Eine letzte Anmerkung zu diesem Themenkomplex. Man kann sich darüber streiten, ob das Alte Ägypten eine schwarz-afrikanische Kultur ist oder nicht. In der afrozentrischen Perspektive von Afrika, einer Denkrichtung zu der auch Karenga gehört, ist dies bereits entschieden .
Gerne nehme ich sachdienliche ergänzende Hinweise und gerne auch Korrekturen entgegen.
Bildnachweis: Official Kwanzaa Website


Ich habe alles abgeklappert um mehr über den “wisdom knot” zu erfahren..aber alles was ich finde ist der Herscherstuhlt für Könige in Ghana..
Weiß irgendjemand etwas über den wisdom knot an sich und in bezug auf ghana??!!