Das Islambild in Deutschland: Alte Stereotype, neue Feindbilder
1. März 2008 von kp
… lautete der Titel der Fachkonferenz, die in dieser Woche im Rahmen der “Deutschen Islam Konferenz” vom Bundeministerium des Innern und der Herbert-Quandt-Stiftung in Berlin veranstaltet wurde. Geladen waren Journalisten, Medienwissenschaftler, Politiker und Vertreter muslimischer Verbände.
Unter anderem ging es um die Fragen des Islambildes in den deutschen Medien, der öffentlichen Selbstdarstellung von Muslimen in Deutschland und ob Muslime ein selbstverständlicher Bestandteil der deutschen Gesellschaft seien.
Ziemlich ernüchternd berichtet Sabine Rennefanz für die Berliner Zeitung von dieser Fachkonferenz unter dem Titel “Bio-Deutsche in der Parallelgesellschaft” und macht unter anderem auf die Begrifflichkeiten aufmerksam:
“Da werden sogenannte Deutsche mit Migrationshintergrund gegen Bio-Deutsche ausgespielt, wobei man bei beiden Worten nicht so richtig weiß, was damit eigentlich gemeint ist. Deutsche mit Migrationshintergrund klingt nach Tapete: Wie hätten Sie’s denn gern: rosa, gestreift oder Migration? Warum werden eigentlich nur muslimische Mitbürger so herausgehoben?”
Schwierig auch der Begriff “Parallelgesellschaft”. Während Elmar Theveßen, stellvertretender Chefredakteur des ZDF, meinte:
“Vielen Menschen ist der Islam unheimlich, dazu haben auch die Muslime beigetragen, die sich in eine Parallelgesellschaft zurückgezogen haben,”
kritisierte der Nordrhein-Westfälische Integrationsminister, Armin Laschet (CDU), die Verwendung des Wortes Parallelgesellschaft:
“wenn sich jemand in der evangelischen Kirche engagiert, nennen wir das Ehrenamt, aber wenn sich jemand in der Moschee engagiert, ist das die Parallelgesellschaft.”
Weiterlesen bei der Berliner Zeitung. Ergänzendes hat das Domradio, das die Konferenz zum Anlass nahm Professor Heiner Bielefeldt, Leiter des Deutschen Instituts für Menschenrechte, zu interviewen: Es geht um Fairness.
Weiteres zum “Islam in deutschen Medien” u.a. bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Sabine Schiffer schreibt dort über Techniken in der medialen Darstellung des Islam. Über: Zeigen und Ausblenden, Symbole statt Information, willkürliche Verknüpfungen, und Metaphern und Stereotypen.