Ferkelbuch entgeht dem Index - aktuelle Pressestimmen
7. März 2008 von kp
Nach einer einstündigen Anhörung hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien den Indizierungsantrag des Bundesfamilienministeriums abgelehnt.
Erforderlich für eine Indizierung des Buches wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit des 12er-Gremiums gewesen, die nicht zustande kam.
In der Begründung heißt es, dass Buch greife alle Religionen gleichermaßen an und sei deswegen “nicht als antisemitisch einzustufen” und
Dass in dem Buch Religionskritik geübt wird und dessen Inhalt möglicherweise das religiöse Empfinden der Gläubigen der drei dargestellten Religionen verletzt, war für die Bundesprüfstelle nicht entscheidungserheblich, da dies keinen Tatbestand der Jugendgefährdung darstellt.
Antisemitische Inhalte konnte auch der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland “so” nicht finden. In seiner Stellungnahme vom 6.2.2008 heißt es:
Der Meinung, das Buch sei antisemitisch, kann man so nicht folgen, da es gleichermaßen alle drei großen monotheistischen Religionen verleumdet.”
Gerade dieser Teil der Stellungnahme des Generalsekretärs des Zentralrats der Juden in Deutschland wird in den Presseberichten zum Indizierungsantrag regelmäßig zitiert. In der Stellungnahme heißt es jedoch auch:
“Es (das “Ferkelbuch”, kp) ist einfach Antireligion, Anti-G’ttes-Glaube und alles, was sich daraus ergibt”
und
“„Ich würde es als militant atheistisch einstufen, und das Zerrbild der Religionen, das hier gezeichnet wird, soll dem Zweck dienen - und das ist das Ziel dieses Machwerkes – Kinder jedweden G’ttesglauben zu vergraulen. Das Perfide und Gefährliche dabei ist, dass sich das Buch mit einer grafisch sehr attraktiven Aufmachung an junge Kinder wendet, die solch einer Antireligionshetze hilflos ausgesetzt sind. Auf jeden Fall ist das Buch gefährlich und gehört daher indiziert. (…)” kritisiert Kramer”
und kritisiert im Folgesatz der Presserklärung das Buch als Missbrauch der Kunst- und Meinungsfreiheit.
Es ist also keineswegs so, dass der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland ebenfalls gegen eine Indizierung des Buches wäre - nur eben nicht wegen etwaiger antisemitischer Äußerungen.
Dies bekräftigte er gegenüber der epd. Die Netzeitung (unte Berufung auf epd) schreibt:
“Kramer sagte dem epd, das Buch sei «ekelhaft und gefährlich». Er hätte sich gewünscht, dass es «vom Büchermarkt weggebeamt wird». Doch wichtiger als eine Indizierung sei die Diskussion: «Solche Dinge lassen sich eher durch gesellschaftliche Missbilligung ahnden, als dass mit Verboten operiert wird», so Kramer. Jetzt müsse die Gesellschaft aber einen Konsens über die Schmerzgrenze entwickeln, ab der die Verächtlichmachung von Minderheiten nicht mehr zulässig sei.”
Die Bundesprüfstelle habe außerdem “ihr Ziel völlig verfehlt”, wenn die “Verletzung des religiösen Empfindens keinen Tatbestand der Jugendgefährdung darstelle” (Quelle: Netzeitung und epd).
So bliebe denn auch ein “fader Beigeschmack”, meint Hendrik Werner (Welt online), und wirft dem Autor des Buches vor den “Gedanken der Aufklärung” zu “missbrauchen” auf den er sich selbst beriefe und schreibt:
“Ein Buch, das den monotheistischen Glauben pauschal als “fauler Zauber, Hokuspokus“ abtut, ist kaum dazu geeignet, seinen jungen Lesern eine differenzierte Meinungsbildung über das kultur- und sinnstiftende Moment von Religiosität zu ermöglichen.” (Quelle: Welt online)
Weitere Pressestimmen findet man leicht bei google news: Dort “Ferkel” oder “Ferkelbuch” eingeben und die Suche über Anklicken von “Letzter Tag” einschränken.
Wie weit dürfen Meinungsfreiheit und Freiheit der Kunst gehen? Diese Frage ist nicht nur in Hinblick auf das “Ferkelbuch” aktuell, sondern auch in Hinblick auf die anhaltenden Diskussionen um die Muhammad- und Islam-Karikaturen.