Deutscher Katholikentag eröffnet - Ökumene, Zen und Vertiefung des jüdisch-christlichen Dialoges?!
22. Mai 2008 von kp
In diesen Tagen steht Osnabrück ganz im Zeichen des Deutschen Katholikentages, der vom 21. bis 25. Mai unter dem Motto “Du führst uns hinaus in die Weite” stattfindet. Osnabrück ist die Stadt des westfälischen Religionsfriedens von 1648. Hier (und in Münster) wurden die Verträge geschlossen, die vor 460 Jahren den 30jährigen Krieg beendeten.
Erwartet werden bis zu 60.000 Teilnehmer - aufgerufen sich an gesellschaftlichen Debatten zu beteiligen.
Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode erwartet nicht nur neue Impulse für die Ökumene sondern auch eine Vertiefung des jüdisch-christlichen Dialogs. Überhaupt bemüht man sich bei den Verantwortlichen des Katholikentags um eine Verbesserung der derzeit stark angegriffenen Beziehung zum religiösen Judentum und wartet auf dem Katholikentag mit über 20 Veranstaltungen auf, unter anderem mit einer christlich-jüdische Gemeinschaftsfeier.
Zumindest was den Zentralrat der Juden in Deutschland angeht kann von Vertiefung des Dialogs keine Rede sein. Die katholische Karfreitagsliturgie sorgt nach wie vor für Empörung und derzeit gibt es zwischen dem Zentralrat der Juden und der katholischen Kirche keine offiziellen Kontakte und zumindest keinen offiziellen Dialog.
Hintergrund ist die Erlaubnis des Papstes bei der Karfreitagsliturgie die Formel
“Lasst uns auch beten für die Juden, auf dass Gott, unser Herr, ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus als den Retter aller Menschen erkennen”
zu beten.
Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, hatte von der katholischen Kirche “eine Rücknahme” des Gebets bis zum Katholikentag in Osnabrück gefordert.
Sie erklärte: “Die Karfreitagsfürbitte impliziert eine subtile Aufforderung zur Judenmission, die ich als brüskierend, überheblich und als deutlichen Rückschritt im christlich-jüdischen Dialog bezeichnen muss.” Solange die katholische Kirche an dieser Bitte in der Karfreitagsliturgie festhalte, werde es keinen Dialog geben”
berichtet der Spiegel.
Dem Boykott nicht angeschlossen haben sich die Rabbiner Brandt und Sievers. Sievers wird am heutigen Nachmittag am Streitgespräch “Beten Juden und Christen zu demselben Gott” teilnehmen.
Abgesagt haben unter anderem auch der Frankfurter Soziologe Micha Brumlik, der Rabbiner Daniel Alter aus Oldenburg sowie der Rabbiner Walter Homolka aus Berlin. Homolka äußerte bereits im März in einem Spiegel Interview scharfe Kritik an der Karfreitagsliturgie:
“Benedikt gebe “zu erkennen, dass er glaubt, auch für die Juden führe der Weg zum Heil nur über Jesus, den Heiland. Das öffnet der Judenmission Tür und Tor. Schon jetzt ist das Internet voll mit Kommentaren rechtskonservativer Katholiken, die sagen: ‘Wunderbar, jetzt haben wir endlich das Signal, Juden zu missionieren.’ So ein Zeichen wirkt auf antisemitische Kreise äußerst stimulierend. Die katholische Kirche hat ihre antisemitischen Tendenzen nicht im Griff”
Heimo Schwilk (Welt online) sieht den Katholikentag übrigens “zwischen Rosenkranz und Esoterik” und hat so seine Zweifel
ob das geistliche Angebot des Katholikentags nicht in eine diffuse „Selfmade-Spiritualität“ esoterischer Meditations- und Wellnessgruppen ausufert. So wie sie in den letzten Jahren schon die protestantischen Kirchentage dominierte. Paul Rheinbay von der Theologisch-Philosophischen Universität Vallendar, der in Osnabrück über „Zen und Kirche“ referieren wird, wehrt sich dagegen, zum Esoteriker abgestempelt zu werden: „Man kann vom Buddhismus lernen, ohne den eigenen Standpunkt aufzugeben.“ Zen sei ein Menschheitsweg, es gehöre keiner Religion allein.