Unfassbar?! - Allerdings
24. Mai 2008 von kp
Symbolfotos haben so ihre Tücken. Ein Symbol (das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie Etwas Zusammengefügtes) ist laut Wahrig
“(ein) Sinnbild, bildhaftes Zeichen, das einen tieferen Sinn ausdrückt”
In der Ausgabe von 1968 (Wahrig: Deutsches Wörterbuch) steht ergänzend: “oft ohne erkennbaren Zusammenhang mit diesem”.
Was den Kölner Express wohl dazu getrieben hat, die jüngsten Fälle von Hexenverbrennung in Westkenia mit einem Symbolfoto mit weißen!!! verschleierten Muslima zu “garnieren” und dadurch implizit einen Zusammenhang mit “dem Islam” herzustellen, kann wohl nur der dort zuständige Redakteur selber beantworten.
Oder sollte es um mittelalterlich gehen (Funkgerät?) und es war gerade kein passendes Symbolfoto der mittelalterlichen Hexenverbrennungen vorhanden?
Aber: Unfassbar? Allerdings! Das ist wirklich unfassbar.

via Stefan Niggemeier und politischkorrekt.
Die DPA meldet (zit. nach Tagesspiegel):
“Der Mob wütete und verbrannte aus Angst vor Hexerei elf Menschen bei lebendigem Leib: Nach dem grausigen Fall von Lynchjustiz in Kenia sind nun 19 Menschen festgenommen worden. (…) Die Festgenommenen werden verdächtigt, zu den Taten in einem Dorf nahe der westkenianischen Stadt Kisii aufgerufen zu haben. (…) Am Mittwoch hatte ein Mob acht Frauen und drei Männer im Alter von 80 bis 96 Jahren bei lebendigem Leib verbrannt. Auch die Hütten und das Eigentum der angeblichen Hexen wurden zerstört. (…) Verbrennungen angeblicher Hexen kommen immer wieder vor. Es ist allerdings selten, dass so viele Menschen gleichzeitig Opfer des Aberglaubens werden.”
Westkenia! Die 12 bis 20 Prozent Muslime in Kenia leben jedoch vor allem in Ostkenia und sind mit Sicherheit wohl eher nicht weiß.
Sofern es sich bei diesem Fall von Hexenverbrennung in der Kisii Region um Angehörige der Ethnie der Kisii (Gusii) handelt, (das geht aus den Meldungen nicht ganz eindeutig hervor, weiß jemand mehr?) ist der dort weit verbreitete Hexenglauben Teil der traditionellen Religion der Kisii:
As with the neighbouring Luo, the Gusii believed that death was unnatural. It was frequently blamed on witchcraft (oborogi; the word is similar to the words used by other Bantu-speaking peoples such as the Kikuyu, Meru, Embu and Mbeere). (…) The Gusii had, and still have a clear distinction between the ‘healer’ and the ’sorcerer’ and ‘poisoner’. The healer was loved by all but sorcerers and poisoners (often called witches) were feared, as indeed they still are. (Quelle: Gusii religion and beliefs)
Der traditionellen Religion gehören noch ca. 18 Prozent der Kisii an, aber auch unter den restlichen 82 Prozent der Kisii ist der Hexenglauben noch weit verbreitet und Schilder mit der Aufschrift “AIDS is not witchcraft - AIDS is real” sind in dieser Region keine Seltenheit.
Bereits im September/Oktober 1998 kam es dort zu Fällen von Lynchjustiz an vermeintlichen Hexen - zehn Menschen starben. Ein weiterer Fall trug sich 1993 zu. Die Opfer sind vor allem ältere Frauen und Männer.
Übrigens: 82 Prozent der Kisii sind (lt. Joshua Projekt) katholische Christen. Hier jedoch nun ein christliches Symbol zu verwenden wäre genauso unredlich zusammengefügt, wie die Verwendung des obigen Symbolfotos und mindestens genauso unfassbar. Ein Trauersymbol wäre sicherlich angemessener gewesen.