Warum bloggen Wissenschaftler, warum sollten sie es tun und warum tun es andere nicht?
26. Mai 2008 von kp
Manchmal begegnen einem in der wissenschaftlichen Blogosphäre bereits sehr früh am Tag interessante Themen: Warum bloggen Wissenschaftler eigentlich, warum sollten sie es tun und warum tun es einige nicht? Damit hat sich vor einigen Tagen Owen Wiltshire von Another Anthro Blog beschäftigt, genauer mit der Frage
Why do anthropologists blog?
“Abstract
In the past few years Anthropologists have increasingly taken up blogging. The anthropology blogsphere is a rapidly growing community that has created a new space for all levels of the anthropological hierarchy to express themselves. It has also opened doors to engagement with those outside anthropology. Within debates surrounding traditional publishing formats, this report examines the ways blogs might work to allow anthropologists to reflect and discuss more, while officially publishing less. It is an exploration into the culture of publishing in anthropology, and the reasons anthropologists do, or do not, blog.”
Zusammenfassend schreibt er in Why do anthropologists blog?:
Why do Anthropologists Blog?
- Public engagement – feedback from beyond the discipline
- Less formal – much broader range of style, more complex ways of manipulating knowledge (video, text, dynamic content)
- Community, feedback. Enjoy discussing ideas with others.
- Prestige – great place to get known, at least by other anthro bloggers
- Younger generation growing up with online publishing – not worried about privacy as much
- Perhaps an escape from work/professionalism when reflecting on anthropological ideas
A Counter Perspective: Why Don’t Anthropologists Blog?
- Fear that their work isn’t good enough
- Do not want to have their name associated with it
- Generally not part of internet culture – accessibility
- Lack of time – anthropology is a professional topic – there aren’t many “amateur anthropologists” - although this is one thing many bloggers want to change
- Fear of having ideas stolen – desire to “own” ideas.
- Prefer traditional publishing mediums – books
- Desire for more filtered knowledge
- desire to maintain privacy outside of work
…und in Deutschland?
In Deutschland widmet sich unter anderem Marc Scheloske (alle anderen, die ich hier jetzt nicht erwähne mögen mir verzeihen) von den hard bloggin’ scientists in seiner Wissenswerkstatt regelmäßig diesem Thema und unternimmt mit dem Wissenschaftscafé eine Vermessung der deutschen wissenschaftlichen Blogosphäre.
Besonders lesenswert ist Scheloskes Zusammenfassung zum Potenzial wissenschaftlicher Blogs in seinen Werkstattnotizen:
“Begleitend und erklärend geht es in 11 Etappen um die Frage, weshalb die Wissenschaft bloggen sollte. Die Argumentationsfolge entspricht dem re:publica-Vortrag.”
Auch die Religionswissenschaftlerin Simone Heidbrink macht sich zu diesem Thema ihre Gedanken. Simone Heidbrink ist Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich Ritualdynamik der Universität Heidelberg: “Zwischen Online-Religion und Religion-Online. Konstellationen für Ritualtransfer im Medium Internet” und Betreiberin des Blogs >>om Sein<< .
In ihrem Blogpost über bloggende Religionswissenschaftler fragte sie: “Wer sind diese “Exoten”? Und warum bloggen sie?”
Tja. Warum blogge ich eigentlich zu Religionen und Religionswissenschaft, zumal ich aus dem Wissenschaftsbetrieb schon lange draußen bin und was mache ich hier eigentlich?
Zugegebenermaßen blogge ich selten wissenschaftlich-inhaltlich und man kann sicherlich zu Recht argumentieren, dass ich mit diesem Blog wissenschaftlich wenig beitrage - würde ich sofort unterschreiben. Das ist aber auch nicht Ziel dieses Blogs. Der Untertitel von religionswissenschaft.info zeigt die derzeitige Ausrichtung:”Nachrichten aus Religionen und Religionswissenschaft”.
Warum? Neben ihrer zunehmenden Bedeutung für Wissenschaftskommunikation und Wissenstransfer könn(t)en Blogs gerade für ein kleines und leider immer noch zu unbekanntes Fachgebiet (wie die Religionswissenschaft) wichtiges Teilinstrument der Öffentlichkeitsarbeit sein (oder besser werden) und dazu dienen, das Fach bekannter zu machen und die Sichtbarkeit der Religionswissenschaft im Web voranzutreiben - ein Thema, mit welchem ich mich zukünftig auch in diesem Blog näher befassen werde.
…Und dann wäre da noch ein anderer und ganz persönlicher Grund: aus Freude.
“Religionswissenschaft aus Freude” ist übrigens der Untertitel des dritten deutschsprachigen religionswissenschaftlichen Blogs (sorry @Michael, wenn ich mich jetzt einfach mal Deines Mottos bedient habe). Betrieben wird er von Dr. Michael Blume, der sich in seiner religionswissenschaftlichen Forschung den Themen “Religionsdemographie” und “Evolutionsbiologie der Religiosität” widmet. Ein weiterer Blog von Michael Blume (Natur des Glaubens) ist Teil der Wissenslogs von Spektrum der Wissenschaft.
Damit schließe ich diesen Blogpost und zugleich für heute den Ausflug in die noch sehr übersichtliche (religions)wissenschaftliche Blogosphäre.
“Es ist doch ein bisschen einsam da draußen, als Mitglied einer so seltenen Spezies …!” schreibt Simone in dem oben erwähnten Blogpost. Das stimmt. Vielleicht findet sich ja der ein oder andere Religionswissenschaftler, der sich hier mit einem Gastbeitrag beteiligen möchte? Religionswissenschaftliche Mitblogger sind jederzeit herzlich willkommen.
Update, 27.5.2008
Marc Scheloske vom Wissenschaftscafé befragt regelmäßig bloggende Wissenschaftler. In seiner Reihe Wissenschafts-Café-Interviews hat er diese Woche Simone Heidbrink im Gespräch. Zum Interview