Anti-Islamisierungskongress - Rednerdezimierung, dritte Kräfte, Gegendemos
17. September 2008 von kp
Beim geplanten Anti-Islamisierungskongress (”Islamisierung und Türkisierung in Deutschland stoppen”) der rechtspopulistischen “Bürgerbewegung pro Köln” wird es am 19. und 20. September langsam eng mit den rechten Star-Rednern.
Angekündigt waren unter anderem Jean Marie Le Pen, Chef der französischen Front National und Heinz-Christian Strache, Chef der österreichischen FPÖ. Nun scheint es, dass die im NRW Verfassungsschutzbericht als unter dem “Verdacht einer rechtsextremistischen Bestrebung” aufgeführte und von ehemaligen Mitgliedern der Republikaner gegründete Pro Köln den Mund allzu voll genommen hat.
Strache hat offenbar wichtige Termine (u.a. eine Kundgebung in der Metropole Gemeinde St. Georgen) und Le Pen, dem wir Aussagen wie “Ich glaube an die Ungleichheit der Rassen” ‘verdanken’, wusste scheinbar erst gar nichts davon, dass er überhaupt in Köln reden sollte.
Nun rappelt es gehörig im rechtsdrehenden Karton der anti-eurabischen Koalition: Pro Köln wird inzwischen von der Front National als Lügner bezeichnet, schieben dieser jedoch den schwarzen rechten Peter zu. “Immerhin” aber haben sie noch weitere “tapfere Patrioten”, z. B. namhafte Mitglieder des Vlaams Belang oder den Holocaustleugner Nick Griffin, Vorsitzender der British National Party.
Auch kleinere Lichter der rechtspopulistischen Szene werden in und um Köln herum reden. Der ehemalige CDU-Vorsitzende des Kölner Stadtteils Ehrenfeld, Jörg Uckermann, inzwischen in das pro kölnische Bürgerbündnis übergetreten, wird - allerdings nicht in Köln, sondern in Leverkusen - wahrscheinlich so was oder zumindest so was ähnliches sagen:
“Eins ist vollkommen klar: als Mensch kann man nur gedeihlich leben, wenn man in einem geschlossenen sozialen Kontext leben kann. Das heißt in einem Bereich, einer Kultur, wo Sprache, Religion, Sitten und Bräuche sich ähneln wo ein Milieu besteht, wo man sich wohl fühlen kann. (…) Man muss das Recht haben auf einen geschlossenen Kontext”
wie kürzlich im Interview mit Stefan Herre, Gründer und wahrscheinlich-immer-noch-Verantwortlichen des notorischen Islamhasserblogs Politically Incorrect.
Während ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Kirchen, Unternehmen mit dem Slogan “wir stellen uns quer” zu Gegenveranstaltungen aufgerufen hat, versucht sich eine weitere Gruppe als selbsternannte “dritte Kraft” zu profilieren. Die Welt schreibt:
“Noch ein weiterer Akteur trumpft anlässlich des Radikalenaufmarsches mit einer fragwürdigen Selbstinszenierung auf: die Gruppe demokratischer Islamkritiker um den Schriftsteller Ralph Giordano und um Michael Schmidt-Salomon, den Kopf der atheistischen Giordano-Bruno-Stiftung. Sie (…) griffen einerseits die “Pro-Köln”-Bewegung als demagogisch an, andererseits feuerten sie Kritiksalven gegen “menschenrechtswidrige, antidemokratische und reaktionär-patriarchalische Grundinhalte des Islam”.
Dabei rühmten sich Schmidt-Salomon und Co. als sachlich-differenzierende Islamanalytiker und “dritte Kraft” zwischen den Extremen. Tatsächlich aber neigen sie zu wüster Polemik oder profilieren sich als Religionsfresser. So taufte Giordano den Koran kurzerhand zur “Stiftungsurkunde einer archaischen Hirtenkultur”, die mit dem Grundgesetz prinzipiell unvereinbar sei (und berief sich dabei auf Koranverse, die sinngemäß auch im Alten Testament vorkommen).”
Einstweilen rüstet sich die Kölner Polizei zum Großeinsatz, um ggf. rechte Radikale und linke Autonome auseinander zuhalten und rät davon ab, am Samstag mit dem Auto zum Kölner Dom oder Heumarkt zu fahren.
Datum und Uhrzeiten der Gegenveranstaltungen hat der Kölner Stadteinzeiger unter: Eine Stadt stellt sich quer. Den Aufruf zur Kundgebung und Gegendemonstration gibt es unter anderem beim DGB Köln.
