Wissenschaft und Öffentlichkeit verknüpfen - ein Interview mit Steffen Rink zum 20jährigen Jubiläum von REMID
8. Mai 2009 von kp
Der Religionswissenschaftliche Medien- und Informationsdienst (REMID e.V.) in Marburg feiert in diesen Tagen sein 20jähriges Bestehen und begeht sein Jubiläum wird mit einem öffentlichen Festakt am 22. Mai sowie einer öffentlichen Fachtagung am 23. Mai zum Thema “Religion(en) und Medien – Das Verhältnis von Religionen zu ihren Inszenierungen”.

Anlässlich dieses Jubiläums ein Interview mit Steffen Rink, einem der Gründer von REMID und langjährigem Vorstandsmitglied.
- Vor 20 Jahren gründeten Sie gemeinsam mit Martin Baumann, Sebastian Murken und anderen den Religionswissenschaftlichen Medien- und Informationsdienst REMID. Was ist REMID?
- Steffen Rink: REMID ist im Grunde ein Kristallisationspunkt, an dem sich Wissenschaft und Öffentlichkeit begegnen. Bereits vor 20 Jahren war das Ziel, eine Anlaufstelle zu schaffen, an die sich die immer so genannte interessierte Öffentlichkeit wenden kann, wenn sie eine religionswissenschaftliche Expertise wünscht. REMID steht also für das Projekt, die Bereiche Wissenschaft und Öffentlichkeit miteinander zu verknüpfen.Wobei ich der Gerechtigkeit dazu sagen möchte, dass die wesentlichen Impulse zur Vereinsgründung seinerzeit von Martin Baumann, Sebastian Murken und Joachim Schmidt ausgingen, und zwar motiviert durch entsprechende Diskussionen auf den damaligen “Bundesfachschaftentreffen Religionswissenschaft”. Ich selbst hatte mich mehr den publizistischen Konsequenzen zugewendet, d. h. der Zeitschrift SPIRITA, vormals “Taboo”.
- Was war damals Euer Anliegen und hat sich dieses im Laufe der Zeit gewandelt?
- Steffen Rink: Das Anliegen war einfach wie schwierig: Religionswissenschaftliche Perspektiven in öffentliche Debatten einbringen und für die Weiterentwicklung der Gesellschaft fruchtbar zu machen. Dieses Ziel hat sich nicht gewandelt. Wohl aber die konkreten Themen, an denen sich das festmacht. So war früher das Thema “Sekten” von Bedeutung. Heute ist es eher Islam, oder abstrakte Fragen wie Integration, religiöser Pluralismus.
- Wer kann bei REMID Mitglied werden und wie viele Mitglieder hat der Verein?
- Steffen Rink: Mitglied kann werden, wer die Ziele des Vereins unterstützt: Religionswissenschaft, d. h. nicht-konfessionelle Zugänge zu Religion zu fördern, für die Chancen von religiösem und weltanschaulichem Pluralismus eintreten, eine Kultur der Anerkennung von Differenz zu unterstützen. Zurzeit sind es rund 180 Personen, die die konkrete Umsetzung durch REMID mit ihrer Mitgliedschaft fördern.
- Wer kann sich an REMID wenden und mit welchen Fragestellungen?
- Steffen Rink: Jeder kann sich an REMID wenden, und es gilt: Es gibt keinen dummen Fragen. Es gilt allerdings auch: Wir können nicht alles, insbesondere im Moment, wo die Arbeit ehrenamtlich geleistet wird. Doch trotzdem: Probieren - am besten per E-Mail - geht über Studieren.
- REMID vermittelt auch Referenten. Zu welchen Themen?
- Steffen Rink: Auch hier muss ich sagen: Alles ist möglich. Im Internet gibt es eine Liste mit Themen, die abgedeckt werden. Die wurde mal erstellt und hat schon damals vor allem die Funktion gehabt, das weite Feld von Religion und Religiosität anschaulich zu machen. Denn klar ist: Referenten sind nicht überall verfügbar. Und zugleich: Durch unser Netzwerk von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist vieles möglich.
- Mit welchen Institutionen und/oder Organisationen arbeitet REMID zusammen?
- Steffen Rink: Oh, die Frage muss in doppelter Weise beantwortet werden. Zunächst: REMID hat immer sehr viel Wert auf Unabhängigkeit gelegt. Gerade auch institutionelle Unabhängigkeit. Dass REMID kein verlängerter Arm der Kirchen ist, sich aber auch nicht einer akademischen abstrakten Wissenschaft andient oder gar einer sog. Sekte. Zugleich gibt es Kontakte zu anderen Institutionen, auch Zusammenarbeit und Unterstützung, etwa zur Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft, oder lokal mit dem Fachgebiet Religionswissenschaft in Marburg, aber genauso durch die Mitarbeit beim lokalen Runden Tisch Integration auf Kreisebene.
- Welche Projekte laufen zurzeit und welche Projekte aus den vergangenen Jahren waren besonders wichtig?
- Steffen Rink: Das ist ein weites Feld! Aktuell sind wohl vor allem die Lernwerkstatt Weltreligionen zu nennen, das heißt Angebote für Schulen und Jugendgruppen im Bereich nicht-religiösen interkulturellen Lernens. Das macht vor allem Anja Badouin, auf Basis eines Projekts, das 2005 bis 2006 von der Bundesregierung gefördert wurde. Wichtig sind zudem immer die Auskünfte für Medien und andere Interessierte. Das heißt auch: Informationsvermittlung. Wichtig für REMID ist auch die monatliche Veranstaltungsreihe “Religion am Mittwoch”, die in Zusammenarbeit mit der Marburger Religionswissenschaft stattfindet und nunmehr in ihr drittes Jahr gegangen ist.Bei Projekten muss man sicherlich immer auch bedenken, dass man sich den Anforderungen der Zeit anpassen muss. So hat REMID beispielsweise im Internet ein Informationsprojekt gehabt, wo man heute sagen muss: Da gibt es auch viele andere, die die Möglichkeiten des Mediums erkannt haben. Also muss man immer neu fragen: was ist heute gefordert? Und auch: was wird gefördert…
- REMID verfügt über ein Archiv mit Dokumentationsstelle. Warum ein Archiv und was zeichnet das Archiv aus?
- Steffen Rink: Wer sich mit gegenwärtiger Religionsgeschichte beschäftigt, muss immer nach den Quellen fragen. Das REMID-Archiv beherbergt solche Quellen: Zeitschriften, Flugschriften und Broschüren von Gemeinschaften. Zum Beispiel die Piusbruderschaft: Wir haben das monatliche Mitteilungsblatt, und zwar seit Jahren. Da kann man lesen, was die Bruderschaft zur katholischen Kirche und zum Papst sagt. Solche Quellen sind ein Privileg! Denn es dauert mitunter Jahre, bis man in der wissenschaftlichen Literatur darüber lesen kann, was aktuell an Debatten innerhalb der Religionen geführt wird. Die Zeitschriften der Gemeinschaften bilden das ab.
- REMID ist ein gemeinnütziger Verein, Spenden und Beiträge sind also steuerlich absetzbar. Wofür werden eingehende Spenden verwendet?
- Steffen Rink: Spenden fließen in Projekte. Die laufenden Ausgaben für Miete und Arbeitsmaterialien sind durch de Beiträge der Mitglieder gedeckt. Alles Geld, was darüber hinausgeht, dient der inhaltlichen Arbeit.
- Wie kann man REMID und die Arbeit des Vereins kennen lernen?
- Steffen Rink: Nun, in der heutigen virtuellen Welt natürlich über das Internet. Weil aber nichts die persönliche Begegnung ersetzen kann, immer dann, wenn REMID in die Öffentlichkeit geht. Zum Beispiel am 22. und 23. Mai in Marburg aus Anlass seines 20-jährigen Jubiläums.
- In die Zukunft geblickt. Wo soll REMID in 20 Jahren stehen?
- Steffen Rink: REMID soll seine Stellung festigen und ein nicht wegzudenkender Bestandteil der Religionswissenschaft in Deutschland sein. Und das tun, was REMID immer gemacht hat: Debatten anstoßen über die Themen, die in Fachwelt zu kurz gekommen sind.
Vielen Dank für das Gespräch!
Weitere Informationen zu REMID:
- REMID im Web.
- 20 Jahre REMID - Programm (Festakt und Fachtagung) - PDF
- Anmeldung für Festakt und Fachtagung bei Sarah Jahn (E-Mail: jahn(at)remid.de)
Zur Person: Steffen Rink lebt und arbeitet in Marburg. Er ist Gründungsmitglied von REMID, langjähriges Vorstandsmitglied sowie Mitinhaber des Diagonal Verlags. Steffen Rink ist federführend verantwortlich für das REMID-Archiv und die Veranstaltungsreihe “Religion am Mittwoch” in Kooperation mit dem Fachgebiet Religionswissenschaft in Marburg. Als freiberuflicher Religionswissenschaftler steht er für Vorträge und Fortbildungen zu aktuellen Themen rund um Religionen zur Verfügung.
