Vorgestellt: Religionswissenschaftliches Forum re.form leipzig e.V
20. Mai 2009 von kp
Gastbeitrag vom Religionswissenschaftlichen Forum re.form leipzig e.V.
Das gemeinnützige Religionswissenschaftliche Forum re.form leipzig e.V. besteht seit 2002 und verfolgt das Ziel, wissenschaftlich fundierte Informationen zu Geschichte und Gegenwart der lokalen Religionsgemeinschaften der außer-akademischen Allgemeinheit zugänglich zu machen. Zu diesem Zweck tritt der Verein als Herausgeber eigener Publikationen auf, versteht sich aber auch als Ansprechpartner von Medien, Behörden und anderen öffentlichen Einrichtungen. Der Verein besteht aus (ehemaligen) Studierenden, Doktorand/-innen sowie Dozent/-innen des Religionswissenschaftlichen Instituts der Universität Leipzig und anderer akademischer Institutionen. Derzeit hat er 22 Mitglieder.
Publikationen:
Religion und Kultur in Leipzig um 1900
Zur Zeit arbeitet der Verein an einem populärwissenschaftlichen, illustrierten Buchprojekt zu religiöser Pluralität in Leipzig um 1900. Leipzig war um die Jahrhundertwende eine der aufstrebenden und wohlhabendsten mitteleuropäischen Großstädte, hatte eine sehr liberale Bürgerschaft und bot insofern auch ein attraktives Umfeld für die Rezeption und Verbreitung neuen Gedankenguts. In der Stadt fand sich neben den Gemeinden der Großkirchen und verschiedenen Ausrichtungen des Judentums eine ungeheure Vielfalt sogenannter devianter Religiosität sowohl des christlichen wie auch des nichtchristlichen, sich vor allem aus dem Umfeld der Lebensreformbewegung speisenden Spektrums. So hatte etwa die Deutsche Theosophische Gesellschaft, aus der 1912 die Anthroposophische Gesellschaft des Begründers der Waldorfpädagogik Rudolf Steiner hervorging, um die Jahrhundertwende ihren Hauptsitz in Leipzig. Der deutsche Monistenbund wurde von dem Leipziger Chemiker und Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald gelenkt. 1903 wurde im Gebäude Markt 9 mit dem Buddhistischen Missionsverein für Deutschland die erste buddhistische Gemeinde außerhalb Asiens gegründet. Aus dem deutschkatholischen Umfeld entstammte die Leipzigerin Louise Otto-Peters, welche den ersten überregionalen deutschen Frauenverein 1865 mitbegründete, mit dem die deutsche bürgerliche Frauenbewegung ihren Anfang nahm. Darüber hinaus war Leipzig ein Zentrum diverser lebensreformerischer Bewegungen, etwa des Vegetarismus, der Feuerbestattung oder der Naturheilkunde. Ebenso waren aber auch völkische Gruppierungen, insbesondere mit Theodor Fritsch und seinem antisemitischen Hammer-Verlag, in Leipzig prominent vertreten.
Die genannten Gruppen waren häufig Ideengeber und Vorreiter später einsetzender einschneidender Veränderungen nicht nur der deutschen, sondern der gesamten abendländisch-westlichen Kultur, die bis in die Gegenwart wirken. Mit der im Oktober 2009 erscheinenden Publikation soll interessierten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Zugangswege zu dieser wenig bekannten religiös-kulturellen Vergangenheit Leipzigs eröffnet werden.
Religionen in Leipzig
Mit der Publikation Religionen in Leipzig hat der Verein erstmalig eine Bestandsaufnahme aller in der Stadt präsenten Religionsgemeinschaften, von den großen Kirchen bis zu kleinen, wenig bekannten Gruppierungen, vorgelegt. In Bezug auf die neuen Bundesländer kam (und kommt) Leipzig bei der Neuformierung des „religiösen Marktes“ seit 1990 eine Schlüsselstellung zu. Viele Religionsgemeinschaften haben Leipzig als zentralen regionalen Sitz gewählt und betreuen von hier aus ihre Anhängerinnen und Anhänger in den Neuen Ländern bzw. im mitteldeutschen Raum. Die Durchführung des evangelischen Kirchentages 1997, der Neubau des Dominikanerklosters in Leipzig-Wahren, die wiederholte Abhaltung von Bezirkskongressen der Zeugen Jehovas mit rund 10.000 Teilnehmern in der Leipzig-Arena oder die von tibetischen Buddhisten mit getragene Himalaya-Ausstellung im Gasometer unterstreichen die Bedeutung, die Kirchen und Religionsgemeinschaften dem Standort Leipzig beimessen. Insofern ist Leipzig auf dem besten Wege, seine einstige überregionale Bedeutung als geistig-kulturelles Zentrum verschiedenster religiöser Bewegungen zumindest partiell wieder zu erlangen. Im Buch werden die 57 im Jahr 2003 nachweislich in Leipzig aktiven religiösen Gruppen mit ihrer Geschichte, wesentlichen Lehrinhalten sowie lokalen Besonderheiten vorgestellt. Bildmaterialien zu den Gemeindezentren sowie das jeweilige Gemeinschaftslogo ergänzen die Darstellung.
Weitere Aktivitäten:
Bei der Vorstellungsstraße anlässlich des 600jährigen Jubiläums der Universität Leipzig im Sommersemester 2009 ist gemeinsam mit dem Institut für Indologie ein historischer Stadtrundgang zu Leipziger Indologen und Buddhist/-innen geplant.
Außerdem haben Vereinsmitglieder verschiedene Radio- und Fernsehinterviews sowie Vorträge zur derzeitigen religiösen Landschaft in Leipzig, zu alternativer Religiosität um 1900 und zur Pfingstbewegung im Speziellen gegeben. Hier zwei Beispiele:
Kontakt:
Religionswissenschaftliches Forum re.form leipzig e.V.
c/o Religionswissenschaftliches Institut
Universität Leipzig
Schillerstraße 6
04109 Leipzig
Tel.: 0341/9737164
Mail: re (.)form (at) gmx.de
Website: reform-leipzig
