Tagungskurzbericht: Kongress der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft in Bochum 2009
18. Oktober 2009 von kp
von Anna Neumaier, M.A
Alle zwei Jahre lädt die Deutsche Vereinigung für Religionswissenschaft (DVRW) zur religionswissenschaftlichen Fachtagung ein – Gastgeber des 29. Kongresses war in diesem Jahr CERES, das Centrum für Religionswissenschaftliche Studien der Ruhr-Universität Bochum. Veranstaltet wurde die Tagung in Kooperation mit dem Internationalen Kolleg für Geisteswissenschaftliche Forschung (IKGF) “Dynamics in the History of Religions” an der Ruhr-Universität Bochum. Der Kongress stellte zugleich die Jahrestagung des IKGF dar.
“Dynamiken der Religionsgeschichte – Historische und gegenwärtige Perspektiven” war das Leitthema der diesjährigen Tagung. Dahinter steht die Annahme, dass sich die großen religiösen Traditionsgeflechte (die sog. Weltreligionen) und weitere religiöse Traditionen nicht nur, aber wesentlich im wechselseitigen, diachronen und synchronen Kontakt miteinander konstituieren, ausbreiten und weiterentwickeln. Sie sind keine monolithischen Blöcke, sondern stellen bereits in der formativen Phase Amalgamierungen, gleichsam verdichtete Geflechte verschiedener religionsgeschichtlicher Strömungen dar. In der Phase ihrer Etablierung und Ausbreitung changieren die religiösen Traditionen dann zwischen der Aufnahme von Elementen anderer religiöser Traditionen und neuerlicher Verdichtung. Im Zusammenhang mit den Religionskontakten zwischen Adaption und Abgrenzung konstituieren sich religiöse Felder, die zugleich mit ihren gesellschaftlichen Umwelten in Austauschprozessen stehen.
Entsprechend der Ausgangsthese gliederte sich das Tagungssthema in vier Unterthemen:
- Intrareligiöse Religionskontakte
- Interreligiöse Religionskontakte
- Wechselwirkungen zwischen Religion und anderen gesellschaftlichen Bereichen
- Reflexive Wissensrepräsentationen religionsgeschichtlicher Dynamiken
Eröffnet wurde die diesjährige Tagung mit einer abendlichen Auftaktveranstaltung am Sonntag, 20. September mit begrüßenden Worten von Prof. Sven Bretfeld, Lehrstuhlvertreter des Lehrstuhls für Religionswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum und Prof. Ulf Eysel, Prorektor für Forschung ebenfalls an der Ruhr-Universität. Als Vorsitzender der DVRW begrüßte Prof. Hubert Seiwert im Anschluss die Teilnehmer der Tagung. In das wissenschaftliche Programm leitete Prof. Grace Davie ein. Ihre Keynote Lecture befasste sich mit der Bedeutung von Religion im vergangenen US-amerikanischen Wahlkampf: Sie zeigte den Einfluss religiöser Zugehörigkeit auf Wahlentscheidungen auf und erläuterte darüber hinaus, in welcher Weise auch die Präsidentschaftskandidaten und ihre Stellvertreter im Wahlkampf 2008 auf religiöse Narrative zurückgriffen.
Im Mittelpunkt des Abends standen außerdem die Preisträger des Dissertationspreises, der alle zwei Jahre von der DVRW vergeben wird: Geehrt wurden mit Dr. Dagmar Fügmann (Würzburg) und Dr. Oliver Grasmück (Bremen/Reutlingen) in diesem Jahr erstmals gleich zwei herausragende junge Wissenschaftler.
Raum für breite wissenschaftliche Auseinandersetzungen boten die insgesamt über 100 Vorträge in knapp 30 Panels sowie weitere Keynote Lectures: Prof. Martin Riesebrodt setzte sich mit Religion als sozialem Bezug auseinander, Prof. Karl Galinsky mit religiöser Dynamik zwischen römischem Kaiserkult und dem frühen Christentum.
Beendet wurde die Tagung mit einer Podiumsdiskussion, die schlaglichtartig wichtige Fragen der Tagung aufgriff und zuspitzte.
Im zweijährigen Rhythmus lädt die Deutsche Vereinigung für Religionswissenschaft (DVRW) Religionswissenschaftler und weitere Interessierte zum Kongress ein. Gegründet 1950 als Deutsche Vereinigung für Religionsgeschichte, ist sie gleichzeitig der deutsche Zweig der International Association for the History of Religions (IAHR). Ihr Ziel ist es, durch die Unterstützung religionswissenschaftlicher Forschungsvorhaben, die Veranstaltung wissenschaftlicher Kongresse und andere Aktivitäten die religionswissenschaftliche Forschung und Lehre zu fördern.
Auf den zweijährlichen Tagungen findet zudem die Mitgliederversammlung des Vereins statt. Im Vordergrund der diesjährigen Sitzung standen personelle Wechsel: Prof. Hubert Seiwert (Leipzig) wurde als langjähriger Vorsitzender der DVRW verabschiedet, als Nachfolger konnte Prof. Christoph Bochinger (Bayreuth) begrüßt werden. Auch der Vorstand wurde neu gewählt, Mitglieder sind nun Dr. Katja Triplett (Marburg, stellv. Vorsitz), Prof. Christoph Kleine (Leipzig, stellv. Vorsitz), Prof. Christoph Auffarth (Bremen), Dr. Thomas Hase (München/Leipzig) und Steffen Führding M.A. (Hannover).
Nicht zuletzt wurde auch der Ort der nächsten Tagung mitgeteilt: Für 2011 wird dann die Religionswissenschaft der Universität Heidelberg erneut DVRW-Mitglieder und Wissenschaftler verwandter Disziplinen zum fachlichen Austausch einladen.
Für weitere Rückfragen:
Anna Neumaier, M.A.
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