Religionswissenschaft in der Suchanfragenanalyse
14. März 2011 von kp
Ist das Interesse der Webnutzer an Religionswissenschaft in den letzten Jahren eher gestiegen, gefallen oder gleich geblieben? Wie oft wird Religionswissenschaft im Web gesucht?
Als Webanbieter hilft zwar ein Blick in die eigenen Logfiles, dieser bietet jedoch nur eine eingeschränkte Zahlenbasis. Bessere Zahlen liefert eine Abfrage der Wikipedia sowie verschiedener Google Dienste wie Insights for Search und Keyword Tools. Selbstverständlich ist Google zwar der Platzhirsch unter den Suchmaschinen, aber nicht der Weisheit letzter Schluss und so sind die folgenden Zahlen allenfalls eine Annäherung.
Google Insights for Search
Gibt es einen Zusammenhang zwischen aktuellen Themen bzw. Popularität und Google Suchanfragen? Auch wenn die Frage als banal angesehen und mit “Ja” beantwortet werden kann ein Beispiel:
Ursula von der Leyen (Zensursula)
Das Kunstwort “Zensursula”, zusammengesetzt aus Ursula und Zensur, entstand und erfreute sich als sogenanntes Mem größter Beliebtheit in der Debatte um das Zugangserschwerungsgesetz. Ich möchte weder das Wort noch das Gesetz inhaltlich bewerten; mir geht es nur um den Zusammenhang von Begriff, Aktualität und Google Suchanfrage.
Religionswissenschaft bei Google Insights for Search
Fragt man Google Trends für das Stichwort “Religionswissenschaft” ab, erhält man für Deutschland nur die wenig hilfreiche Meldung:
Your terms - religionswissenschaft - do not have enough search volume to show graphs.
Google Insights for Search – eine verbesserten Variante von Google Trends – liefert deutlich bessere Ergebnisse und zeigt, das von 2004 bis 2010 der Anteil von Suchanfragen bei Google mit dem Stichwort “Religionswissenschaft” tendenziell rückläufig ist:
Zu denken gibt mir, dass die meisten Suchanfragen aus:
- Heidelberg
- Leipzig
- Berlin
- München und
- Frankfurt am Main
kommen, denn: In allen fünf Städten gibt es religionswissenschaftliche Institute. Hier liegt die Vermutung nahe, dass ein evtl. sogar erheblicher Teil der Suchanfragen quasi Eigenzugriffe aus den religionswissenschaftlichen Instituten sind.
Nun handelt es sich bei den Angaben von Google Insights for Search nicht um exakte Zugriffszahlen. Will man sich diesen nähern, hilft das Google Keyword Tool.
Google Keyword Analyse
Das Keyword-Tool von Google Adwords ist ein Angebot für Webanbieter zur Schaltung von Anzeigen innerhalb der eigenen Online Marketing Strategie. Das Tool kann außerdem für das Ermitteln globaler und lokaler Suchanfragen zu einem bestimmten Stichwort verwendet werden.
Auf “Religionswissenschaft” entfallen derzeit (Stand März 2011) im Schnitt 4400 monatliche lokale und 5400 monatliche globale Suchanfragen. Nach “Religionswissenschaften” wird immerhin noch 1000 Mal im Monat gesucht – auch wenn jede Pluralanfrage meiner Ansicht nach eine Anfrage zu viel ist. Dies aber nur am Rande.
Interessant für die universitäre Religionswissenschaft und die Entwicklung des Faches dürfte sein, dass “Religionswissenschaft studieren” (incl. der Variante “Studium Religionswissenschaft”) im Schnitt 320 Mal pro Monat gesucht wird und “Fernstudium Religionswissenschaft” immerhin noch 91 Mal. Schlussfolgerungen sollten natürlich auf einer breiteren Datenbasis basieren als auf dieser Ad hoc Abfrage.
Zum Google Keyword Tool für AdWords
Wikipedia
Seit einigen Monaten können die Zugriffe auf die Wikipedia abgefragt werden. Im Jahr 2009 wurde der Artikel “Religionswissenschaft” 25402 Mal aufgerufen; im Jahr 2010 lag die Zahl der Aufrufe bei 25467. Dabei ist zu beachten, dass es sich um bloße Seitenaufrufe handelt. Sie lassen keinen Rückschluss zu, ob der Artikel vollständig gelesen, die Seite direkt nach Aufruf wieder verlassen wurde und woher die Nutzer kamen.
Zur Wikipedia Traffic Anlayse - Religionswissenschaft
Aufrufe religionswissenschaft.info
Ich maße mir natürlich nicht an, mit meiner kleinen Website ähnlich wichtig wie die Wikipedia oder religionswissenschaftliche Institute zu sein. Da religionswissenschaft.info aber bei einer Google-Suche nach “Religionswissenschaft” konstant auf Platz 3 bzw. 4 liegt fand ich die Zahlen dennoch interessant.
Die 1und1 Webstatistik zeigt, dass im Jahr 2009 über das Stichwort “Religionswissenschaft” 1040 und im Jahr 2010 1375 Seitenaufrufe erzeugt wurden. Andere Stichwörter führten zu deutlich mehr Zugriffen. Interessanterweise ist es der kleine Artikel über Misteln und Weihnachtssterne, der sich konstanter Beliebtheit erfreut – obwohl er unter diesen Stichwörtern bei google nicht zu den Top-Platzierten gehört.
Fazit
Natürlich sollten religionswissenschaftliche Institute bestrebt sein, mit dem Stichwort “Religionswissenschaft” gefunden zu werden. Wichtig ist aber: nicht jeder kann ganz oben stehen. Deswegen sollte grundsätzlich jedem Suchmaschinenoptimierer misstraut werden, der einem verspricht: “Ich bringe Sie auf Platz 1 bei google.”
Aus dem oben genannten ergibt sich ohnehin der Eindruck, dass “Religionswissenschaft” für die Religionswissenschaft kein starkes Stichwort ist und man bei einer ausschließlichen Optimierung seiner Websites darauf keine Breitenwirkung erzielen wird.
Dennoch ergeben sich meiner Ansicht nach Konsequenzen und folgende indirekte und nicht abschließende Maßnahmen:
- Mehr religionswissenschaftliche Inhalte – auch zu aktuellen Themen –ins Web stellen
- Diese Inhalte standardkonform und suchmaschinenfreundlich präsentieren
- Auf eine gute Vernetzung der Websites insgesamt und auch untereinander achten
und sich dadurch sozusagen indirekt einen Namen machen.
Der Bedarf an religionswissenschaftlichem Wissen – zumal in der Breite wie es bei Religionswissenschaftlern vorhanden ist – ist meiner Ansicht vorhanden. Die Zahlen zeigen nur, dass religionswissenschaftliche Inhalte nicht zwingend unter dem Label “Religionswissenschaft” gefunden werden (müssen). Insgesamt denke ich, dass es dennoch nicht so schlecht aussieht. Ein paar abschließende lokale Suchanfragen und Zahlen für einige weitere Fächer:
- Afrikanistik: 1900
- Indologie: 1600
- Islamwissenschaft: 5400
- Japanologie: 8100
- Koreanistik: 720
- Sinologie: 9900
